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Der unwürdige Kampf um Mandelas Grabstätte

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Der unwürdige Kampf um Mandelas Grabstätte

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Der seit Wochen befürchtete Tod Nelson Mandelas sorgt für einen Familienstreit über die Grabstätte des Friedensnobelpreisträgers. Die Hauptrolle in diesem Streit spielt Mandla Mandela. Der Enkel des ehemaligen Freiheitskämpfers möchte in Mvezo, dem Geburtsort Mandelas in der Provinz Ostkap, die Grabstätte und eine zentrale Gedenkstätte errichten.

Dafür hatte er 2011 im Nachbar-Ort Qunu, in dem Mandela viele Jahre lebte, eigenmächtig die drei Leichen der verstorbenenen Kinder von Nelson Mandela
exhumieren und in Mvezo beisetzen lassen. Allerdings will der Rest der Familie nicht, dass Nelson Mandela dort beerdigt wird. Mandla Mandela beteuerte, nur im Sinne seines Großvater gehandelt zu haben. Deswegen verweigerte er auch die Rückführung der Leichen nach Qunu: “Ich habe die Anweisung von meiner Tante Makaziwe bekommen, die Leichen zurück nach Qunu zu bringen, wo meine Tante ein Grab für meinen Großvater errichtet. Weil das aber keine Anweisung von meinem Großvater war, habe ich sie nicht befolgt.”

Die Umbettung der Leichen hatte offenbar nur ein Ziel: Der greise Mandela, der stets betont hatte, er wolle einmal neben seinen engsten Angehörigen begraben werden, sollte seine letzte Ruhe in Mvezo finden. Millionen von Südafrikanern verfolgen erschrocken den Familienzwist, der offen vor Gericht und vor den Medien ausgetragen wird. Das Oberste Gericht der Provinz hatte dem Antrag von 16 Mandela-Angehörigen stattgegeben. “Ärgerlich und skandalös” nannte Richter Lusindiso Pakade diese Aktion. Die sterblichen Überreste von drei gestorbenen Kindern Mandelas müssen demnach in ihre früheren Gräber in Qunu zurückgebracht werden.

Am Mittwochabend rückte dann in Mvezo die Polizei an, die gewaltsam mit
einer Axt das Tor zum Anwesen von Mandelas Enkel Mandla öffnete. Viele Menschen in Südafrika sind sehr besorgt und schockiert über die Streitigkeiten in der Familie des Nationalhelden.
“Wenn es Einigkeit in der Familie gibt, dann gibt es auch Einigkeit in der spirituellen Welt. Aber wenn es Streit gibt in der Welt der Lebenden, dann wird auch die spirituelle Welt in Mitleidenschaft gezogen”, sagt ein “Heiler”.

Die Lage ist insgesamt verworren. Denn niemand scheint eine verbindliche Willenserklärung Mandelas zu haben. Laut Medienberichten soll sich Mandela 1996 klar für Qunu ausgesprochen haben. Mandelas Familie – drei Kinder, 17 Enkelkinder und zwölf Großenkel – ist weiterhin uneins.