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Lohnt sich der Doktortitel noch?

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Lohnt sich der Doktortitel noch?

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Immer mehr Studenten entscheiden sich für ein Doktorat, statt direkt in den Beruf zu starten. Aber gibt es überhaupt Arbeit für so viele Doktoranden? Bringt ein Doktortitel tatsächlich Vorteile mit sich? Und wie verläuft die Promotion möglichst stressfrei? Diesen Fragen geht Learning World diese Woche nach.

Slowakei: Unis setzen auf Qualität statt Quantität

Dank großzügiger staatlicher Fördermittel für Studenten und Universitäten gilt die Slowakei als das OECD-Land mit den meisten Doktoranden. Auch immer mehr ausländische Studenten machen hier den Doktortitel. Erst kürzlich hat sich die Comenius Universität in Bratislava damit gerühmt, Absolventen bessere Chancen mitzugeben, als Elite-Universitäten wie Oxford oder Cambridge. Doch Kritiker monieren, dass es zu viele Doktoranden gibt, und dass etliche keine Arbeit finden. Bisher wurden die staatlichen Mittel nach der Zahl der eingeschriebenen Doktoranden verteilt: je mehr Promovierende, desto mehr Geld. Doch die Förderkriterien wurden verschärft, Universitäten müssen jetzt konkrete Forschungsergebnisse vorlegen. Seitdem ist die Zahl der Doktoranden leicht zurückgegangen.

Italien: In die Fremde für den Titel

Immer mehr Hochschulabsolventen schauen sich nach einer Promotionsstelle im Ausland um. So auch Siaw Shi Boon aus Malaysia, die – nach dem Bachelor- und dem Master-Abschluss – im italienischen Triest am Internationalen Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie promoviert. An der renommierten Institution bewerben sich jedes Jahr rund 1000 Kandidaten für eine Promotionstelle, genommen werden zehn bis zwölf Personen. Die 32-Jährige verbringt zehn Stunden am Tag mit der Arbeit und Auswertung von Laborergebnissen. Sie vermisst ihre Heimat, Familie und Freunde, doch ist bereit, für den Doktortitel Opfer zu bringen. Im Anschluss an ihre Promotion strebt sie eine Postdoktorandenstelle in Malaysia an.

Argentinien: Ganz ohne Stress geht es nicht

Eine Doktorarbeit zu verteidigen ist eine große Herausforderung. Schließlich geht es darum, die Arbeit von vielen Jahren überzeugend darzustellen. Für viele Studenten ist die Verteidigung ihrer Dissertation mit starker emotionaler Anspannung verbunden, einige haben Angst vor Kritik. In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires verteidigt der Sozialwissenschaftler Daniel Fränkel seine Dissertation. Auch er ist angespannt, hat jedoch starke Argumente vorbereitet, um seine Arbeit vor der Jury zu verteidigen. Alle Jurymitglieder sind promovierte Experten in Daniel Fränkels Forschungsgebiet. Nach einer einstündigen mündlichen Prüfung berät die Jury hinter verschlossenen Türen. Erleichterung, als der Kandidat das Urteil erfährt: Daniel Fränkel hat mit summa cum laude bestanden.