Eilmeldung

Eilmeldung

Ägypten: Salafisten beenden Kabinettsgespräche

Sie lesen gerade:

Ägypten: Salafisten beenden Kabinettsgespräche

Schriftgrösse Aa Aa

Vor Kurzem noch unbekannt steht Adli Mansur nach dem Sturz Mursis durch die ägyptische Armee plötzlich im Mittelpunkt und wird zum neuen Staatsoberhaupt vereidigt. Der ehemalige Richter und Präsident des Verfassungsgerichts wird Interims-Präsident. Laut Militär ein erster Schritt des friedlichen Übergangs, der mit Präsidentschafts- und Parlamentswahlen enden soll.

Wie zu erwarten war, hat die Muslimbruderschaft die Ernennung des neuen Staatsoberhaupts abgelehnt. Am Samstag hat sich das islamistische Lager aus allen politischen Gesprächen über die Zukunft Ägyptens zurückgezogen.

Mohamed Al-Baltagy, führendes Mitglied der Muslimbruderschaft:

‘‘Es kann keinen Dialog, Verhandlungen oder Gespräche über unsere Zukunft geben, bis dieser Sturz und all seine Folgen gestoppt werden und der entführte Präsident wieder in Amt und Würden ist. Dann können wir darüber diskutieren, wie wir diese Krise beenden.”

Das war kurz bevor aus offiziellen Quellen verlautete, Mohamed El-Baradei sei zum neuen Ministerpräsidenten ernannt. Aber der erste Anlauf einer Regierungsbildung scheiterte. Die salafistische Nur-Partei – die “Partei des Lichts”, die erst kürzlich auf die Seite der Oppositionsallianz gegen Mursi gewechselt war, boykottierte die Ernennung des Friedensnobelpreisträgers El-Baradei.

Sonntag dann das offizielle Dementi. Ein Sprecher des Präsidenten erklärte, dass es keinen offiziellen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten gäbe. Der Präsident suche mit verschiedenen politischen Größen aus allen politischen Lagern – auch der Muslimbruderschaft – das Gespräch.

Doch das Gesprächsangebot wurde nicht angenommen. Auch die Salafisten lehnen es ab. Die Radikalsten unter den Islamisten stießen Ägypten durch ihren Rückzug aus den Verhandlungen noch tiefer in ein politisches Vakuum, das das Militär zu verhindern suchte. Mit fatalen Folgen, denn die Gewalt steigt und die Wirtschaft leidet.