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Forscher wollen Islands Vulkane zähmen

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Forscher wollen Islands Vulkane zähmen

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Island ist die größte Vulkaninsel der Welt. Mitten im Nordatlantik tummeln sich hier 35 aktive Vulkane, die jederzeit ausbrechen können. Was für verheerende Folgen das haben kann, wurde deutlich, als der Vulkan Eyjafjallajoküll vor drei Jahren den internationalen Flugverkehr lahm legte. Wissenschaftler auf der Insel arbeiten an einem Frühwarnsystem.

Freysteinn Sigmundsson ist Geophysiker an der Universität Island: “Wir müssen lernen, besser mit den Vulkanen zu leben. Hier in Island gehören sie zum Alltag. Es kann passieren, dass ein Vulkanausbruch ernsthafte Folgen für viele Menschen auf der Erde hat, so wie es 2010 geschehen ist. Also versuchen wir, herauszufinden, wie wir die Auswirkungen von Ausbrüchen mildern können, die Asche und Gas freisetzen und langfristig eine Bedrohung darstellen.”

Vulkan-Experten aus aller Welt reisen auf die Insel mit den glühenden Bergen, um der Naturgewalt auf die Spur zu kommen. Dabei setzen sie verschiedene Techniken ein: Wissenschaftler der Universität Florenz etwa haben im Wald ein Infraschall-Messgerät aufgestellt. Dieses kann von Vulkanen verursachte Druckwellen messen, die der Mensch nicht wahrnimmt. Experten können so bei einem Ausbruch auf die Stärke der Eruption schließen.

Der italienische Geophysiker Maurizio Ripepe erklärt: “Mit diesen Antennen können die Infraschall-Sensoren Druckwellen von Vulkanen messen, die Dutzende, ja, sogar Hunderte Kilometer entfernt sind. Wenn der Druck sehr stark ist, können wir ihn sogar Tausende Kilometer weit weg erfassen.”

Vulkanforschung ist nicht neu, doch die Aschewolke vom Eyjafjallajoküll hat sie wieder ins Rampenlicht gerückt. Das Europäische Forschungsprojekt FutureVolc widmet sich jetzt dreieinhalb Jahre lang ganz dem Thema – unter Leitung der Universität Island und dem Meteorologischen Institut.

Freysteinn Sigmundsson koordiniert die Initiative: “An unserem Projekt haben viele Forscher mitgarbeitet. Jetzt ist es an der Zeit, die Expertise zu bündeln, um ein Maximum über die Vulkane in Erfahrung zu bringen. Wir wollen vorhersagen können, wieviel Asche ein Vulkan spucken wird. Denn das ist wichtig für die Entscheidung, ob der Flugverkehr sicher ist oder nicht.”

Erst ab einer Aschekonzentration von mehr als vier Milligramm pro Kubikmeter gilt Fliegen als gefährlich. Der Ascheanteil in der Luft kann mit Radarmessgeräten bestimmt werden. Aber auch Gas-Sensoren und Infrarotkameras kommen in der Vulkanforschung zum Einsatz.

Alle erfassten Daten werden im Meteorologischen Institut in Rejkjavik gesammelt. Hier arbeitet Seismologin Kristin Vjogord: “Wir messen die Bewegung des Magmas. Das GPS-Netz zeigt uns die Verformung der Vulkane an, es zeigt, ob sie expandieren oder sich zusammenziehen. Wir haben hier im Meteorologischen Institut eine Datenbank aufgebaut. Wissenschaftler haben Zugang über alle Netzwerke, und die Daten können auch per Satellit abgerufen werden.”

Doch trotz aller Messungen und Vorhersagen – die Feuerberge Islands zeigen sich bisher unbeeindruckt. Und werden vorerst vermutlich weiterhin ihre gewaltigen Aschewolken in die Luft spucken – ohne jede Vorankündigung.

Freysteinn Sigmundsson: “In Island kann heute ein Vulkan ausbrechen oder nächste Woche oder nächstes Jahr. Es ist schwierig, einen Ausbruch vorherzusagen und eine entsprechende Warnung herauszugeben.”