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Roma-Integration: Bildung ist der Schlüssel

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Roma-Integration: Bildung ist der Schlüssel

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Roma sind die größte Minderheit in Europa: 10 bis 12 Millionen Menschen. Trotz aller Finanzpläne und Versuche zur sozialen Eingliederung werden sie in vielen EU-Staaten an den Rand gedrängt. Bildung ist der Schlüssel für einen Wandel. Right on schaut sich Probleme und Initiativen in der Slowakei an.

Jana Luptakova, Englisch-Lehrerin:

“Integration und Inklusion wenden wir täglich in unserer Schule an. Eine Möglichkeit ist, den Unterricht auch auf Romani abzuhalten. Das ist der Weg, die Kinder zu integrieren, also machen wir das.”

Monica Pinna, euronews:

“Die Slowakei gehört zu den europäischen Ländern mit den meisten Roma. Ihre Lebenserwartung ist 15 Jahre niedriger als der nationale Durchschnitt. Nur 28 Prozent der Kinder beginnen eine Oberschule und nur 20 Prozent der Männer haben einen Job.”

Das Getto von Moldava nad Bodvou, nahe Košice. 750 Menschen wohnen hier, darunter 420 Kinder. Die Familien leben hauptsächlich von staatlicher Hilfe. 22 Euro monatlich bekommt man pro Kind. Einige Bewohner haben Häuser mit Wasser und Strom. Sie zahlen eine Miete an die Stadt. Außerhalb des Gettos leben Menschen in illegalen Hütten. Kein Wasser, kein Strom, keine Kanalisation.

Statistiken zufolge gibt es mehr als 100 Slums oder sogenannte “abgesonderte Siedlungen”, allein in der Region Košice. Im ganzen Land sind es fast 300.

Die Kinder müssen gut zwei Kilometer zur nächstgelegenen Schule laufen. Die Einschulungsquote ist hoch, da die Sozialleistungen der Eltern vom Schulbesuch abhängig sind. Aber es gibt Probleme im slowakischen Bildungssystem, die zu Diskriminierung führen.

Michaela Csalova, Zentrum für nachhaltige Entwicklung:

“Das Problem ist, dass es keinen Kindergarten für sie gibt, in denen sie Grundlagen der Hygiene und Disziplin lernen. Dann wäre auch die erste Klasse in der Grundschule viel einfacher für sie. Aber in den Kindergärten von Moldava werden sie nicht angenommen.”

Das “Zentrum für nachhaltige Entwicklung” (ETP) organisiert Vorklassen für Roma-Kinder, damit sie einen sanfteren Einstieg in die Grundschule haben. Diese Stunden können entscheidend sein, um die soziale Abgrenzung von anderen Kindern aufzuheben. Denn ein großer Prozentsatz von Roma-Kindern wird in Sonderschulen für geistig Behinderte oder speziellen Roma-Klassen abgeschoben. Nach Meinung von Experten und Eltern ein großer Bildungsnachteil.

Alžběta Dudyová, Roma-Mutter:

“Roma-Kinder haben nicht die gleichen Chancen wie Nicht-Roma-Kinder, für sie ist es schwierig, zur Schule zu gehen. Sie haben Schwierigkeiten auf Slowakisch zu lesen und zu schreiben. Aber auch die Roma-Eltern sollten ihre Kinder beim Lernen unterstützen.”

Monica Pinna, euronews:

“Ein Projekt aus dem Jahr 2008 zeigt, dass Integration möglich ist. Die Kinder der Zefyrin-Jiménez-Malla-Schule erleben es jeden Tag.”

Kremnica, in der Mitte der Slowakei, hat etwa 300 Roma-Einwohner bei einer Bevölkerung von 5200 Menschen. Die private Sekundarschule Zefyrin Jiménez Malla ist offen für Roma und Nicht-Roma-Kinder. Schwerpunkt der Schule ist, benachteiligte Schüler zu fördern.

Jana Luptakova:

“In dieser Schule werden Roma- und Nicht-Roma-Kinder auf Slowakisch, Englisch und Romani unterrichtet. Auch die Roma-Geschichte ist Thema und ich glaube, das ist ein guter Schritt Richtung Integration. Das zeichnet unsere Schule aus. Ich habe noch nie auf diese Weise gearbeitet, obwohl ich selbst Roma bin.”

Für einige Schüler der Englischlehrerin ist eine gemischte Klasse eine völlig neue Erfahrung. Die 17-jährige Nicola verbrachte ihre früheren Schuljahre in einer Roma-Schule. Der Wechsel war nicht einfach.

Nicola Pokošová:

“Am Anfang fühlte ich mich komisch. Ich musste Beziehungen aufbauen. Ich dachte, ich würde abgelehnt werden, aber das stimmte nicht. Die Nicht-Roma sind ganz normal und wir wurden Freunde.”

Diese Schule bietet Kindern einen Platz zum Lernen und Spielen. Nach der Schule können sie malen, singen, ein Instrument lernen und ihre persönlichen Talente entwickeln. Die Schüler bekommen eine Chance auf eine gute Ausbildung.

Jana Tomova, Schuldirektorin:

“Unser Ziel ist, Roma-Kinder in den Regelschulen auszubilden. Denn normalerweise werden sie in Sonderschulen gesteckt, in denen sie in neun Jahren den normalen Unterrichtsstoff von vier Jahren lernen. Das ist auch wirtschaftlich nicht sinnvoll.”

Die Lage der Roma zu verbessern, ist eine soziale und wirtschaftliche Aufgabe für ganz Europa. Die Integration von Roma-Kindern und -Jugendlichen stand im Juni vergangenen Jahres im Mittelpunkt der “Europäischen Plattform für die Einbeziehung der Roma”. Zur gleichen Zeit veröffentlichte die Europäische Kommission einen “Fortschrittsbericht”, der die Mitgliedsstaaten aufforderte, ihre nationalen Strategien zur Integration der Roma umzusetzen.

Der Ex-Direktor der Schule Ján Hero arbeitet jetzt für die slowakische Regierung im Bereich Roma-Integration:

“Man sollte sich nicht nur auf die Bildung konzentrieren. Um das Bildungsproblem zu lösen, muss man sich auch um die Aspekte Wohnen, Arbeit und Gesundheit kümmern. Es ist wichtig, die Hindernisse für den Zugang zur Bildung zu entfernen. Diese Hindernisse kommen aus der Familie, aus der Roma-Gemeinschaft und aus der Gesellschaft.”

Diskriminierung und schlechter Bildungszugang hindern junge Roma daran, den Teufelskreis der Armut aufzubrechen.