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In Portugal tickt eine Zeitbombe

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In Portugal tickt eine Zeitbombe

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Eine Zeitbombe. So wird die Situation in Portugal von Analysten beschrieben.

Demonstrierende wütende Menschen. Eine ungewöhnliche Szene in einem sonst friedlichen Land. Sie fand Donnerstag im portugiesischen Parlament statt. Sie zeigt die Verzweiflung der Bevölkerung über die politische Unfähigkeit.

Das Land steckt in einer Regierungskrise. Am Mittwoch warb Portugals Präsident Anibal Cavaco Silva für eine politische Einigung aller großer Parteien. Sofortige Neuwahlen wie von der Opposition gefordert lehnte er ab. Neuwahlen stellte er für Juni 2014 in Aussicht:

“Dieses Vorgehen hat meine volle Unterstützung. In der jetzigen schweren Wirtschaftskrise brauchen wir einen Kompromiss zur nationalen Rettung.”

Seit Mai 2011 verfolgt Ministerpräsident Pedro Passos Coelho eine radikale Sparpolitik, um die Vorgaben der Troika zu erfüllen, die ein 78 Milliarden Euro schweres Hilfspaket gewährte. Inzwischen ist er die Zielscheibe der öffentlichen Empörung. Im Februar bei seinem Besuch der Lissaboner Universität protestierten Jurastudenten mit einem aufgehängten Kaninchen – eine Anspielung auf seinen Namen – gegen Coelhos Politik.

Student:

“Das hat eine symbolische Bedeutung. Wir wünschen niemandem den Tod. Aber wir wollen ein Ende dieser Politik und ihrer Maßnahmen.”

Denn die strenge Sparpolitik bringt nicht die erwarteten Ergebnisse. Das ärmste Land Westeuropas ist in eine tiefe Rezession gestürzt. Begleitet von einer Arbeitslosenquote mit dem Rekordniveau von mehr als 18 Prozent.

Arbeitsloser Nuno Santos:

“Ich tue, was ich kann. Ich lebe bei meiner Mutter, sonst wäre ich auf der Straße. Ich bekomme keine Hilfe von der Regierung.”

Immer mehr Familien sind von der Arbeitslosigkeit betroffen. Die Zahl der bedürftigen Kinder steigt immer weiter.

Grundschullehrerin Ana-Lucia Silva:

“Es gibt Kinder, die ohne Frühstück in die Schule kommen und nach der Pause sagen: ‘Ich habe Hunger.’”

Schulkantinen sind eingesprungen, um die Jüngsten vor dem sozialen Absturz zu bewahren. Dutzende von Städten lassen die Kantinen auch während der Sommerferien geöffnet.