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Israel erzürnt über Polens Schächtverbot

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Israel erzürnt über Polens Schächtverbot

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Der Beschluss des polnischen Parlaments, das Schächtverbot aufrechtzuhalten, hat heftige Kritik im In- und Ausland heraufbeschworen. Die Regierung sucht nun mit Rechtsexperten nach einer Ausnahmeregelung, damit Juden und Moslems doch Fleisch gemäß ihren religiösen Vorschriften essen können.

Das israelische Außenministerium hatte das Schächtverbot als “völlig inakzeptabel” bezeichnet, es schade dem Wiederaufbau jüdischen Lebens in Polen. “Wir finden es entsetzlich, dass Juden, obwohl jüdisches Leben schon immer fester Bestandteil der polnischen Geschichte war, eins ihrer ältesten und wichtigsten Rituale nicht ausüben dürfen”, so ein Sprecher.

Polens Regierungschef nannt die Kritik aus Israel “unangemessen”. Doch auch von den heimischen Landwirten kommt Widerstand: Sie fürchten große Exportverluste: “Das ist ein Schlag ins Gesicht für die polnische Wirtschaft und Landwirtschaft. Die Folgen werden natürlich nicht morgen oder nächste Woche zu sehen sein, aber in sechs Monaten oder einem Jahr”, warnt der Vorsitzende des Bauerndachverbandes.

In Polen selbst wird mit durchschnittlich 2,2 Kilogramm pro Einwohner und Jahr vergleichsweise wenig Rindfleisch gegessen, das geschächtete Fleisch geht vor allem ins Ausland. Es machte bislang knapp ein Drittel der polnischen Rindfleischexporte aus.
Beim Schächten wird die Halsschlagader des Tieres bei Bewusstsein mit einem einzigen Schnitt durchtrennt, das Tier blutet aus.

Das polnische Parlament hatte am Freitag ein von Tierschützern angeregtes Schächtverbot des Verfassungsgerichts bestätigt. Die Regierung wollte hingegen per Gesetz Schächtungen unter bestimmten Voraussetzungen zulassen.