Eilmeldung

Eilmeldung

Todesfalle Krankenhaus: Experten bemängeln Pflegenotstand im britischen NHS

Sie lesen gerade:

Todesfalle Krankenhaus: Experten bemängeln Pflegenotstand im britischen NHS

Schriftgrösse Aa Aa

Im britischen Gesundheitssystem NHS herrschen unhaltbare Zustände, schlägt eine Expertenkommission Alarm – tausende Patienten seien mangels ausreichender Pflege unnötig im Krankenhaus verstorben. Die Kommission hatte im Auftrag der Regierung seit Februar 14 Krankenhausgesellschaften überprüft und am Dienstag ihren Bericht veröffentlicht.

Die Enkelin eines im Krankenhaus gestorbenen Patienten ist fassungslos: “Entsetzlich ist das richtige Wort dafür. Ich habe dem Haus vertraut und gedacht, dass sich dort Leute um ihn kümmern, ihm die grundlegende Pflege zukommenen lassen, den Respekt und die Würde, die er verdiente. Nichts davon hat er bekommen. Er wurde herumgeschoben wie ein Koffer: neun Verlegungen in zwölf Tagen.”

Die Experten stellten vor allem gravierenden Personalmangel fest. Patienten warteten deswegen stundenlang auf Fluren, alte Menschen wurden nicht beizeiten gefüttert und Bettlägerige nicht genug gewendet. Aber auch mangelnde Hygiene ist ein Problem, mehrere OP-Blocks wurden deshalb nach der Visite der Kontrolleure umgehend geschlossen. Außerdem stießen sie auf Röntgengeräte und Scanner, die seit langem nicht gewartet und überprüft worden waren.

“Wer das sieht, wird Angst haben, ins Krankenhaus zu gehen – vor allem wenn ältere Angehörige betroffen sind”, klagt Roy Lilley, Gesundheitsexperte und früher Vorsitzender einer NHS-Stiftung. “Das hat dem Ruf des NHS sehr geschadet. Es ist aber auch ein guter Tag, denn heute wurde Alarm geschlagen – doch ein schlimmer, schändlicher Tag für das NHS.”

Anlass für die Untersuchung war der Skandal um über tausend Todesfälle in einem Krankenhaus in Mid Staffordshire. Die Regierung Cameron prangert Versäumnisse ihrer Labour-Vorgänger an – doch auch in ihrer Amtszeit wurde Personal eingespart.