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Die katholische Kirche in Brasilien sucht neue Wege

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Die katholische Kirche in Brasilien sucht neue Wege

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Brasilien ist das Land mit den meisten Katholiken weltweit. Aber der Einfluss der Kirche schwindet seit Jahren. Zum Weltjugendtag besucht Papst Franziskus das lateinamerikanische Land. Es ist seine erste Auslandsreise. Sie dient dem Ziel, die Kirche zu stärken.

Kardinal Odilo Pedro Scherer, Erzbischof von São Paulo:

“Wir haben große Erwartung an den Papstbesuch. Wir hoffen, dass er uns dabei helfen wird, neue Wege des Glaubens zu finden. Und dass er der Kirche neue Energie gibt.”

Die Achtzigerjahre sind Boomjahre für die katholische Kirche. Bei seinem Brasilienbesuch im Juni 1980 begeistert Papst Johannes Paul II. Millionen von Gläubigen.

Damals hatte das Land 121 Millionen Einwohner. 90 Prozent von ihnen Katholiken. Nur sieben Prozent haben einen anderen Glauben. Aber in den vergangenen 30 Jahren ist der Anteil der Katholiken stark zurückgegangen, während Protestanten mit ihren Freikirchen immer mehr Anhänger finden.

Die Gründe für den Rückgang des katholischen Glaubens sind vielfältig: Fälle von Pädophilie und Korruption belasten das Image der Kirche. Aufgrund des Zölibats und der langen Ausbildung fehlt es an Priestern. Die Evangelikalen sprechen die Probleme der Menschen an und bekämpfen Drogensucht oder Gewalt. Viele Gläubige wenden sich vom Katholizismus ab, weil er nichts mit ihrem Alltag zu tun hat.

Marcio Vinicius Farias:

“Früher ging ich sonntags zur katholischen Messe. Aber die Leere blieb. Eines Tages lud mich die Evangelikale “Assembly of God” zu einem Treffen ein und ab diesem Moment habe ich Jesus angenommen. Jetzt glaube ich an Jesus und die Leere und die Trauer, die ich fühlte, ist weggewischt.”

Seit seiner Wahl versucht Papst Franziskus, den Gläubigen die Kirche wieder näher zu bringen. In Rio besucht der Papst zwei Stadtteile, in denen die Evangelikalen gedeihen. Dort weiß ein junger Katholik ganz genau, was er von seinem Oberhaupt erwartet:

Messdiener Joao Carlos de Oliveira:

“Gemeinschaft. Hier sprechen die Menschen nicht miteinander. Mit dem Papstbesuch wird sich das ändern. Die Menschen werden sich zusammentun.”

Die Katholiken sind nach wie vor die größte Glaubensgemeinschaft in Brasilien. Aber um den Niedergang zu stoppen, muss die Kirche lernen, sich den Bedürfnissen der Menschen zu öffnen.