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Fahndung nach letzten Kriegsverbrechern aus der Nazizeit

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Fahndung nach letzten Kriegsverbrechern aus der Nazizeit

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Noch immer könnten Kriegsverbrecher aus der Nazizeit irgendwo ein friedliches Leben führen, unbehelligt von Strafverfolgern: Davon ist das israelische Simon-Wiesenthal-Zentrum überzeugt,
das sich mit der Jagd nach solchen Kriegsverbrechern einen Namen gemacht hat.

Um auch die letzten noch zur Verantwortung zu ziehen, hängen ab sofort Plakate in mehreren deutschen Städten: Eine Art Fahndungsaufruf, verbunden mit einer Kopfgeldofferte von bis zu 25000 Euro für Hinweise.

Das Motto des Aufrufs ist “Spät. Aber nicht zu spät! Operation Last Chance II”. Er appelliert an die Bevölkerung: “Einige der Täter sind frei und am Leben! Helfen Sie uns, diese vor Gericht zu
bringen.” Insgesamt hängen zwei Wochen lang zweitausend Plakate in Berlin, Hamburg und Köln.

So eine Aktion sei für ihn eine der besten Methoden, um an Informationen zu kommen, sagt der
Leiter des Zentrums, Efraim Zuroff. Außerdem habe das Urteil gegen John Demjanjuk gezeigt, dass man jetzt auch jemanden zur Rechenschaft ziehen könne, der in Vernichtungslagern oder in den Todesschwadronen der Einsatzgruppen einfach nur Dienst getan habe.

Demjanjuk war vor zwei Jahren in München zu einer Haftstrafe verurteilt worden, allgemein wegen seiner Tätigkeit als Wachmann im KZ Sobibor. Für das Gericht war es nicht nötig, ihm konkrete Verbrechen an bestimmten Menschen nachzuweisen.

Das Wiesenthal-Zentrum schätzt die Zahl der noch lebenden Nazi-Verbrecher in Deutschland auf
bis zu 120. Ihr hohes Alter, sagt Zuroff, dürfe sie nicht davor schützen, für ihre Verbrechen zur Verantwortung gezogen zu werden: Sie selber hätten mit ihren Opfern kein Mitleid gehabt.