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Die Architektur der Renaissance hat Moskau geprägt

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Die Architektur der Renaissance hat Moskau geprägt

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Die Renaissance hat das Stadtbild von Moskau verändert. Großfürst Iwan III. hatte viele Ideen, um seine Macht zu demonstrieren. Er modernisierte Handwerk und Künste. Und die besten italienischen Architekten der Renaissance leiteten den Ausbau des Moskauer Kreml.

Dmitry Shvidkovsky, Rektor des Moskauer Architektur-Instituts:

“An der Wende des 15. zum 16. Jahrhundert wurde in Russland wie in den meisten europäischen Ländern nach der Architektur der Renaissance gebaut. Hier im Kreml kann man die verschiedenen italienischen Einflüsse sehen: Venezianische, Bologneser und Mailänder Schule. Zusammen mit den russischen Ideen entstand ein neuer Stil, der die russische Architektur revolutionierte.”

Die Mariä-Entschlafens-Kathedrale wurde von Aristotile Fioravanti gebaut. Einige Historiker glauben, dass der Bologneser Architekt von Zoë Sofia Palaiologina, der zweiten Frau von Iwan III. ausgewählt wurde. Sie war die Nichte des letzten Kaisers von Byzanz und lebte vor ihrer Ehe in Italien.

Federica Rossi, Architekturhistorikerin:

“Sofia kam nicht allein nach Moskau. Sie hatte ein großes Gefolge. Wir wissen, dass das größte Gotteshaus im Kreml in einem sehr schlechten Zustand war und niemand wusste, wie man es restauriert. Höchstwahrscheinlich war es Sofia, die diesen Architekten aus Italien damit beauftragte.”

Fioravanti weigerte sich, die baufällige Kathedrale zu rekonstruieren. Er eröffnete eine Ziegelei und verwendete die neuen Materialien. Die orthodoxen Anforderungen des Kunden kombinierte er mit den neuen Techniken der Renaissance. So entstand in nur vier Jahren ein Meisterwerk.

Federica Rossi:

“Einige Wissenschaftler glauben, dass er nicht nur die Mariä-Entschlafens-Kathedrale gebaut, sondern auch mit dem Bau der Kreml-Mauern angefangen hat.”

Die meisten Mauern und Türme des Kreml wurden von dem Mailänder Architekten Pietro Antonio Solari gebaut. Sein Mailänder Kollege Marco Ruffo war an den Arbeiten beteiligt.

Solari und Ruffo bauten auch den Palast der Facetten, von dem nur ein kleiner Teil erhalten ist. Beiden Architekten wurde der Pseudo-Familienname “Frjasin” gegeben, abgeleitet vom altrussischen Wort für Ausländer.

Iwan III. war es nicht vergönnt, die Fertigstellung der Erzengel-Michael-Kathedrale zu erleben, ein Meisterwerk der venezianischen Schule der Renaissance. Ihr Erbauer, Aloisio Lamberti da Montagnana, kam ein Jahr vor dem Tod des Herrschers nach Russland.

Dmitry Shvidkovsky:

“Durch die Arbeit der italienischen Architekten im Kreml wurde die russische Architektur heller, freundlicher und malerischer.”

Italienische Baumeister arbeiteten nicht nur im Kreml. In Kolomenskoje in der Sommerresidenz der Zaren errichtete Pietro Annibale die Christi-Himmelfahrts-Kirche. Sie war eine der ersten Kirchen mit Zeltdach, die aus Stein errichtet wurde. Über den Erbauer ist wenig bekannt. Wie viele andere italienische Architekten hat er Russland nie mehr verlassen.

Federica Rossi:

“Er wollte fliehen, wurde aber an der Grenze aufgehalten. Sie fragten ihn, wohin er wolle. Wir wissen das so genau, weil das Protokoll des Verhörs erhalten geblieben ist.

Das ist ein neuer Stil, und wenn ein neuer Stil in der Architektur erscheint, beginnt jeder damit zu arbeiten.”

Wie viele andere Forscher glaubt die Architekturhistorikerin, dass der neue Stil den Erbauer der Basilius-Kathedrale am Roten Platz in Moskau inspirierte. Die Kathedrale besteht aus neun einzelnen Kirchen, eine davon hat ein Zeltdach. Wer das Meisterwerk schuf, ist unbekannt.

Maria Galkina, Fremdenführerin in der Basilius-Kathedrale:

“In dieser Kathedrale sieht man den Dialog zwischen der russischen und den europäischen Kulturen. Diese Kulturen beeinflussen sich gegenseitig.”

Mehrere Dutzend italienische Architekten kamen während der Renaissance nach Russland. Könnte einer von ihnen der Erbauer dieser einzigartigen Kathedrale gewesen sein? Das bleibt ein Geheimnis, das vielleicht nie gelöst wird.

Die Renaissance in Moskau – Daten und Fakten

  • Mehr als 60 italienische Architekten wurden im 15. und 16. Jahrhundert nach Moskau eingeladen
  • Es gibt mehr als 600 Kirchen in Moskau. Viele von ihnen wurden von italienischen Baumeistern errichtet oder sind stark von ihnen beeinflusst
  • Die Mariä-Entschlafens-Kathedrale wurde von dem italienischen Architekten Aristotile Fioravanti in den Jahren 1475 bis 1479 gebaut
  • Die Erzengel-Michael-Kathedrale wurde von dem italienischen Architekten Aloisio Lamberti da Montagnana in den Jahren 1505 bis 1508 errichtet
  • Die Facetten-Kammer (1487-1491) wurde von den italienischen Architekten Pietro Antonio Solari und Marco Ruffo als Paraderaum für große Festveranstaltungen gebaut. Die Kammer war Teil eines Palasts, von dem heute nur noch ein Teil steht
  • Der Große Glockenturm (82 Meter): Er steht in der Nähe der Erzengel-Michael-Kathedrale und wurde von dem italienischen Architekten Bon Frjasin in der Zeit von 1505 bis 1508 erbaut. Er war seinerzeit das höchste Bauwerk Russlands und steht in der Mitte des Kreml-Ensembles
  • Kolomenskoje ist ein ehemaliges königliches Landgut mehrere Kilometer südöstlich von Moskau. Das zentrale Element der ehemaligen Sommerresidenz ist die Christi-Himmelfahrts-Kirche, die wahrscheinlich vom italienischen Baumeister Pietro Annibale geschaffen wurde. Sie ist die erste russische Zeltdachkirche aus Stein. Errichtet wurde sie 1533 zu Ehren der Geburt von Iwan dem Schrecklichen. Die Kirche steht seit 1994 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes