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Unfallzeuge: "Wir merkten nicht, wie schnell der Zug fuhr"

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Unfallzeuge: "Wir merkten nicht, wie schnell der Zug fuhr"

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Nach dem Zugunglück in Spanien werden die Toten betrauert, die Trümmer weggeräumt und die Verwundeten versorgt. Für die Überlebenden gilt es, mit dem Erlebten fertigzuwerden. Eine schwierige Aufgabe. Die euronews-Reporterin vor Ort hat einen Texaner getroffen, der gemeinsam mit seiner Frau im Unglückszug saß. Binnen Sekunden verwandelte sich ihr Urlaub in pures Grauen.

Filipa Soares, euronews
Waren Sie selbst im verunglückten Zug?

Roberto Fariza
Ja, ich war im Zug. In Wagen Nummer sieben.

euronews
Waren Sie allein oder in Begleitung?

Roberto Fariza
Ich war zusammen mit meiner Frau im Zug. Wir wollten zum Jakobsfest.

euronews
Was haben Sie von dem Unfall noch in Erinnerung?

Roberto Fariza
Es fällt mir schwer darüber zu sprechen, ohne emotional zu werden, denn es war furchtbar. Wir haben die Geschwindigkeit des Zuges gar nicht wahrgenommen – erst, als er begann zu kippen, merkten wir es. Es passierte so schnell, innerhalb von Sekunden. Dann war alles dunkel. Die Leute schrien. Ich wurde an die Wände des Zuges geschleudert und fiel wie ein Gummiball zu Boden.

Meine Frau ist noch in kritischem Zustand, sie lag unter den Sitzen, auf ihr lagen drei Personen und Koffer. Ich schrie nach meiner Frau, ich rief sie, damit sie, falls sie bei Bewusstsein war, wusste, dass wir sie suchten. Sie hatte eine schwere Wunde am Kopf und blutete. Sie konnte nichts sehen, ihre Augen waren zugeschwollen. Fast die gesamte Kleidung war ihr vom Leib gerissen. Wir riefen um Hilfe, Leute aus dem Dorf kamen und wir trugen sie zu zehnt zum Rettungswagen.

Die Mediziner entschieden, wem sie helfen konnten, einige Menschen neben uns starben. Einem jungen, vielleicht 26 oder 27 Jahre alten Mann schien es zunächst einigermaßen gut zu gehen, doch er starb. Eine junge Frau und ein anderer junger Mann starben ebenfalls, es war schrecklich. Ich sagte zu meiner Frau: “atme, atme, höre nicht auf zu atmen, eins, zwei, eins, zwei, drei”. Das ging so, bis wir ankamen. Fünf Stunden lang wusste ich nicht, wo sie war. Das einzige, woran ich dachte, war, dass sie im Operationssaal war.

euronews
Sind Sie auch verletzt?

Roberto Fariza
Ja, ich bin verletzt. Ich habe mehrere blaue Flecken. Gott sei Dank blieb mein Gesicht verschont. Ein paar Beulen und Schrammen am Kopf. Ich habe ein wenig Blut im Urin, darum haben sich die Ärzte Sorgen gemacht. Sie haben mich untersucht und ich stehe unter Beobachtung.

euronews
Wo sind Sie jetzt untergebracht?

Roberto Fariza
Ich wohne gerade in einem Hotel, dort sind wir im Moment untergebracht. Wir haben keine Koffer. Ich habe mir dieses Hemd heute gekauft. Die Hosen sind von meinem Schwiegersohn. Ich habe neue Socken gekauft und die Turnschuhe sind dieselben, die ich beim Unfall anhatte. Jetzt müssen wir sehen, ob die Botschaft der USA etwas für uns tun kann. Wir brauchen einiges an Hilfe, nicht nur Geld, sondern vor allem bei den ganzen Angelegenheiten, die wir jetzt regeln müssen.

Extra-Link
no-comment-Video des Zugunglücks