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Ashton fordert Gewaltverzicht in Ägypten

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Ashton fordert Gewaltverzicht in Ägypten

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Nach den blutigen Ausschreitungen vom Wochenende versucht EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton in Ägypten zu vermitteln. Es ist bereits das zweite Mal innerhalb von kurzer Zeit, dass Ashton nach Kairo fliegt, um mit der Übergangsregierung zu sprechen, die seit dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi im Amt ist. Mit dessen Anhängern, Vertretern der Muslimbrüder, wird sie sich später zu Gesprächen treffen, ebenso wie mit Armeechef Abdel Fattah al-Sissi – Letzterer ist verantwortlich für den Sturz Mursis. Die EU hofft so, die wachsenden Spannungen in Ägytpen zu beruhigen.

Seit Wochen wollen sich die Islamisten nicht mit dem Sturz ihres demokratisch gewählten Präsidenten abfinden und verlangen dessen Rückkehr. Ihre Demonstrationen wurden am Samstag in Kairo blutig von der Armee niedergeschlagen. 80 Mursi-Anhänger wurden getötet. Zuvor war ein Ultimatum des Militärs an die Islamisten abgelaufen, sich an einem Versöhnungsprozess zu beteiligen. Beide Seiten machen sich gegenseitig für das Blutvergießen verantwortlich.

Ihre geplante Demonstration für diesen Montag haben die Islamisten abgesagt. Für Morgen rufen sie jedoch zu neuen großen Kundgebungen auf. Was mit dem gestürzten Präsidenten passiert, bleibt unklar. Er wurde von der Armee festgemmen und wegen Mordes angeklagt.

OKÄgyptens Außenminister im Euronews-exklusiv-Interview

Mohammed Shaikhibrahim, Euronews:
Wir sprechen mit dem ägyptischen Außenminister Nabil Fahmy.

Die Geschehnisse in Rabbya Adawiya sind von vielen Staaten verurteilt worden. Wie geht das Auswärtige Amt Ägyptens mit dieser internationalen Kritik um?

Nabil Fahmy:
Wir werden versuchen, unsere Position und den allgemeinen Kontext zu erklären. Denn das alles muss im Kontext gesehen werden. Die Sicherheit im Land war bedroht. Zum Beispiel gab es einen Sprengstoffangriff auf die Polizeiwache in der Stadt Mansoura. Nach diesen Ereignissen wurden die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft versetzt. Und neben den friedlichen Protesten gab es auch Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Bürgern sowie zwischen Demonstranten und der Polizei.

Euronews:
Der türkische Staatschef Erdogan lehnt das, was er einen Militärputsch in Ägypten nennt, ab. Er sagt, er kenne in diesem Land keinen anderen Präsidenten als Mohammed Mursi. Diese Haltung sorgt für Spannungen zwischen der Türkei und Ägypten. Wie wollen sie die überwinden?

Nabil Fahmy:
Ich denke, einige der türkischen Aussagen sind nicht hinzunehmen und haben die politischen und diplomatischen Grenzen überschritten. Dies ist eine rein ägyptische Angelegenheit und die Mehrheit des ägyptischen Volkes ist anderer Meinung als der türkische Ministerpräsident. Und ich denke, die Beziehungen und Abkommen zwischen der Türkei und Ägypten sind wichtiger als die Meinung eines Politikers. Aber wir handeln natürlich strategisch.

Euronews:
Die Position der USA gegenüber Ägypten war schon immer vielschichtig. Einige Quellen sprechen davon, dass es Spannungen zwischen den USA und der aktuellen ägyptischen Regierung gibt. Die Amerikaner haben die Geschehnisse in Ägypten bisher nicht als “Revolution” eingestuft…

Nabil Fahmy:
Es gibt Stimmen, die sagen, die Amerikaner hätten Angst vor der Gewalt in Ägypten. Und sie seien daran interessiert, die Situation zu beruhigen und den Frieden und die Kontinuität des demokratischen Prozesses zu gewährleisten. Wir akzeptieren diese Position. Aber es sollte allen klar sein, dass die derzeitige Situation in Ägypten das Ergebnis von Gewalttaten ist, die außerhalb der friedlichen Demonstrationen verübt werden.

Euronews:
Uns Journalisten ist aufgefallen, dass es im ägyptischen Fernsehen Angriffe auf Palästinenser gab. Besonders auf die Palästinenser, die hier im Land leben und denen die Verantwortung für die jüngsten Ereignisse gegeben wird. Das verärgert einige palästinensische Führer. Wie ist ihre Meinung dazu und wie wollen sie mit diesem Problem umgehen?

Nabil Fahmy:
Wir werden unsere Position nicht ändern. Wir werden das palästinensische Volk weiterhin unterstützen. Die Deutung der Ereignisse auf den Straßen variiert je nach politischer Zugehörigkeit. Und auch in den Medien werden Dinge unterschiedlich dargestellt. Es wurde auch über eine Aktion gesprochen, die von der Hamas initiiert gewesen sein soll. Das hat die Hamas aber dementiert. Dieser Fall betrifft die innere Sicherheit in Ägypten. Aber das bedeutet nicht, dass es einen Hass gegen die Palästinenser gibt, oder dass wir die palästinensische Sache nicht weiter unterstützen würden.