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Erdwärme in der Schweiz - eine bebende Angelegenheit

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Erdwärme in der Schweiz - eine bebende Angelegenheit

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Die ambitionierten Energiepläne der Schweiz haben einen Rückschlag erlitten. Denn erst kürzlich wurde der Nordosten des Landes von einem Erdbeben der Stärke 3,6 erschüttert. Ausgelöst wurde es von geothermischen Bohrungen in St. Gallen – die für weitere Untersuchungen vorerst ausgesetzt wurden. Der Schweizerische Erdbebendienst stellte nach einer fehlgeschlagenen Testbohrung insgesamt 400 Erdstöße fest. Die Nutzung der Geothermie – auch Erdwärme genannt – ist nicht ohne Risiken, erklärt Stefan Wiemer:

“Man versteht, dass die meisten Beben, die kommen, klein sind. Das große Problem ist in der Tat abzuschätzen, könnte es auch ein Schadensbeben in einem solchen Umfeld mit kleiner Wahrscheinlichkeit geben. Das kann man leider nicht absolut ausschließen.”

Seismische Reaktionen auf geothermische Bohrungen sind nichts Neues. Auch in Staufen in Südwestdeutschland hat es so etwas schon gegeben. Derartige Nebenwirkungen einer an sich attraktiv erscheinenden Energieform sind wohl unvermeidbar.

Um an mindestens 140 Grad heißes Wasser zu gelangen, muss nur tief genug gebohrt werden. Das Wasser wird dann energiebringend verwendet. Die Schweiz setzt auf darauf. Nach mehreren vergeblichen Versuchen soll in St. Gallen Erdwärme gewonnen werden.

Das Vorbilder der Schweizer liegt in Unterhaching bei München. Erwin Knapek, der “Vater” dieser Anlage, mahnt zu Realismus: Keine Energieform sei frei von Nachteilen.

“Das Risiko, mit dem Erdbeben leben zu müssen, gehört sicher dazu”, sagt Knapek. “Die meisten werden gar nicht verspürt von den Menschen. Und die etwas größeren, die bisher entstanden sind mit Magnituden wie 3,4 oder 3,6, waren nicht zerstörerisch. Mit diesem Risiko muss jede Bohrung leben.”

Experten schätzen das Potential der Schweiz zur Produktion von Energie durch Erdwärme als sehr hoch ein. Bundesrat und Nationalrat befürworteten 2011 einen Ausstieg aus der Atomenergie bis 2034. Erdwärme könnte eine Alternative sein. Doch angesichts der jüngsten Erdstöße ist die Skepsis nicht geringer geworden.