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Bürgerkrieg in Syrien: Das Schicksal der palästinensischen Flüchtlinge

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Bürgerkrieg in Syrien: Das Schicksal der palästinensischen Flüchtlinge

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Der weiter andauernde Bürgerkrieg in Syrien treibt auch die palästinensischen Flüchtlinge aus dem Land, das lange Zeit ihre Heimat war. Bisher sind 85.000 Palästinenser von Syrien aus in den Libanon geflohen. Ihre Familien wurden nach der Staatsgründung Israels 1948 vertrieben. Viele von ihnen leben jetzt in einem der zwölf Lager, wie etwa diesem im Süden von Beirut.

Es befindet sich nahe der Flüchtlingslager Sabra und Schatila, die im Jahr 1982 Schauplatz eines blutigen Massakers wurden. Während des libanesischen Bürgerkriegs stürmten christlich-libanesische Milizen die von israelischen Soldaten umstellten Lager. Bis heute ist die genaue Zahl der Opfer umstritten. Je nach Quelle sollen dabei mindestens 800 Menschen getötet worden. Manche Schätzungen gehen von 3500 Opfern aus.

Wir treffen Sawsan, ihren richtigen Namen möchte sie aus Angst nicht preisgeben. Sie ist eine Mutter von drei Kindern und ist aus Homs hierher geflohen. Sie erzählt uns, warum sie ihre Heimat verlassen musste:
“Mein Mann kam zuerst in den Libanon, um dort zu arbeiten. Die Wirtschaft in Syrien existiert nicht mehr, das ganze Land ist zerstört. Trotz der schwierigen Umstände die wir hier vorfinden, haben wir jetzt keine andere Wahl.”

​​Sawsans Großeltern kamen aus Haifa und Jaffa, zwei Städte, die heute zu Israel gehören. Ein Teil der Familie ging in den Libanon, der andere fand in Syrien Zuflucht. Wenn die Kämpfe beendet sind, will Sawsan nach Homs zurückkehren:

“Wenn ich ehrlich bin, dann wird sich unser Leben verbessern, wenn sich die Situation in Syrien verändert. Unsere Zukunft ist dort, und wir wollen ein besseres Leben für unsere Kinder. I Love Syria and Palestine”

Flüchtlinge wie Sawsan sind vor allem auf die Unterstützung des Hilfswerks der Vereinten Nationen angewiesen. Die Organisation unterstützt die Menschen bei der Suche nach Wohnraum und gewährleistet die medizinische Versorgung.

Die libanesische Regierung hat die Freiheiten der Palästinenser stark eingeschränkt, indem sie von 20 Berufsgruppen ausgeschlossen sind, wie uns Mahmoud Abbas, der Leiter des Kinder- und Jugendzentrums aus Schatila erklärt:
“Die libanesische Regierung verweigert den Palästinensern ihr Rechte auf Arbeit, damit sie sich nicht außerhalb der Lager frei bewegen können. Die Palästinenser haben kein Recht auf ein eigenes Haus außerhalb der Lager. Das ist die Tragödie der Palästinenser . “

Schatila wurde im Jahre 1948 für nur 3.000 Menschen gebaut.Jetzt leben dort 16.000 auf nur einem Quadratkilometer. Es gibt kein sauberes Wasser oder eine funktionierende Stromversorgung. Mahmoud Abbas fordert die internationale Gemeinschaft auf, diesen “vergessenen” palästinensischen Flüchtlingen zu helfen:

“Der Zustand der Gebäude ist nicht einmal gut genug für Tiere. Wenn man durch das Lager geht, dann sieht man überall, dass es menschenunwürdig ist, hier zu leben. Diejenigen, die sich bei den Vereinten Nationen beklagen, dass sie keine Mittel zur Unterstützung der Palästinenser haben, kaufen gleichzeitig Waffen. Die reichen Regierungen haben genug Geld, um die Kämpfe an der syrischen Grenze in Bekaa und Akkar zu unterstützen. Aber sie haben angeblich kein Geld um diesen armen Flüchtlingen ein Zuhause zu geben.”

Die libanesische Regierung geht davon aus, dass mehr als eine Million Flüchtlinge aus Syrien in den Libanon gekommen sind. Ein Ende der Kämpfe in Syrien ist weiterhin nicht absehbar. Die libanesische Regierung in Beirut sieht sich jetzt schon nicht mehr in der Lage, die große Zahl an Flüchtlingen aufzunehmen.

Abu Yamen ist über 50 Jahre alt und Vater von sechs Kindern. Er hat vor einem Jahr Syrien verlassen und erzählt uns von dem Tag, als er aus Damaskus geflohen ist.:
“Ich habe mich entschieden zu gehen, da meine Kinder es nicht mehr ertragen konnten. Drei meiner Kinder sind Studenten. Wir hatten jeden Tag Angst vor den Bombardierungen und Luftangriffen. Wir haben ein Auto gemietet und sind nur mit Sommerbekleidung aus der Stadt geflohen.”

“Wir bekommen hier keine Hilfe. Ich zahle 250 Dollar pro Monat für die Miete. Ich habe keine Arbeit, aber lange versucht, etwas zu finden. Ich war in mehreren Regionen des Libanon, aber ich fand nichts, auch nicht als Fahrer. Meine Kinder können auch nicht arbeiten. Wir sind auf die Hilfe von den Vereinten Nationen und der Europäischen Union angewiesen, aber bisher haben wir nichts bekommen.”

Abu Yamens Eltern stammen dem Norden Israels. Für sich und seine Familie sieht er in Syrien keine Zukunft mehr:
“Wir sind in einer katastrophalen Situation. Aber wir wollen zurück nach Palästina, am besten morgen! Wir wollen zurück nach Palästina, weil das unser Land ist.”