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Betonblöcke, Mautgebühren, Kontrollen: Der Streit um Gibraltar

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Betonblöcke, Mautgebühren, Kontrollen: Der Streit um Gibraltar

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Seit einigen Tagen gleicht der Landweg nach Gibraltar einem Hindernislauf, denn die spanischen Behörden haben die Grenzkontrollen erhöht – offiziell, um Schmuggel zu bekämpfen.
Madrid hat außerdem angekündigt, eine unbeliebte Mautgebühr von 50 Euro einzuführen. Dunkle Wolken über dem Felsen von Gibraltar, einer Enklave, die zu Großbritannien gehört, die aber auch Spanien für sich beansprucht.

Gibraltar liegt am Mittelmeer, ganz im Süden der Iberischen Halbinsel. Bis 1704 gehörte es zu Spanien. Dann nahmen die englisch-niederländischen Truppen das Gebiet ein. Die neuen Besitzverhältnisse wurden 1713 im Vertrag von Utrecht besiegelt.

Doch für Madrid ist der fremde Felsen ein Stein des Anstoßes. Es verlangt seit Jahrzehnten die Rückgabe von Gibraltar. Um sein Ziel zu erreichen, schreckte der spanische Diktator Franco in den 70er Jahren selbst davor nicht zurück, die Grenze zu schließen.

Hauptargument der Spanier sei, dass Gibraltar britisches Territorium durch eine Eroberung wurde, erklärt der frühere Diplomat José Maria Ridao. Doch die gebe Großbritannien nach Meinung von Spanien nicht das Recht, die Souveränität über Gibraltar zu behalten.

Das sieht London naturgemäß anders. Britische Behörden stützen sich auf den Willen der 30.000 Einwohner der Enklave. Die hatten 2002 in einem Referendum fast einstimming abgelehnt, dass die Souveränität mit Spanien geteilt werden solle.

Das hat Madrid jedoch nicht daran gehindert, weiter auf seine Gebietsansprüche zu bestehen.

Spanier und Briten vermeiden den offenen Konflikt. Es gibt versöhnliche Gesten: So wurde 2006 der Dialog zwischen Gibraltar, Spanien und Großbritannien verstärkt. 2009 reiste der spanische Außenminister nach Gibraltar, um die Zusammenarbeit aller Seiten zu verstärken – auf dem ersten Besuch eines spanischen Regierungsmitglieds seit dem 18. Jahrhundert.

Seit in Spanien die neue konservative Regierung im Amt ist, hat sich beim Thema Gibraltar jedoch der Ton verschärft – zum Beispiel, wenn es um die Rechte der spanischen Fischer geht. Denn auch da gibt es Spannungen. Vor einigen Wochen ordneten die Behörden in Gibraltar an, Betonblöcke im Meer zu versenken, um die spanische Überfischung zu stoppen. Ein Vorgehen, dass den Beziehungen zu Spanien ein neues Tief bescherte.