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Tunesien: Zwischen Konflikt, Angst und Hoffnung

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Tunesien: Zwischen Konflikt, Angst und Hoffnung

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Tunis im August 2013. Zweieinhalb Jahre nach dem Arabischen Frühling in Tunesien ist das Land erneut in einer Sackgasse. Die Menschen sind gespalten – ebenso wie die politische Klasse. Der Bardo-Platz, am Tag fast völlig menschenleer. Nachts wird er zum “Roten Platz”. Zehntausende Menschen treffen sich zu Demonstrationen. Der Platz ist zum Symbol einer zerrissenen Gesellschaft geworden. Barrieren trennen zwei Lager von einander. Auf der einen Seite: Die Anhänger der Regierungspartei Ennahda, auf der anderen: die Oppositionellen.

Die Differenzen sind tags und nachts spürbar. Eine tunesische Frau mit Namen Samira will den Sturz der islamistischen Regierung: ‘‘Ich bin nicht nur besorgt, ich bin krank vor Sorge. Wir können so nicht leben, das ist einfach unerträglich.”

Für Hassoun, einen weiteren Passanten, ist eine Lösung der Krise nur im Glauben zu finden: “Viele Menschen wollen die Trennung von Staat und Religion, das sehe ich anders. Die Lösung sind Religion und religiöse Bewegungen.’‘

Seit zwei Wochen verhärtet sich der Konflikt zwischen Regierung und Opposition.

Die Ermordung des weltlichen Regierungsgegners Mohamed al-Brahmi vor knapp zwei Wochen und nur fünf Monate nach dem Tod eines weiteren Oppositionellen hat das Land erneut in eine Krise gestürzt.

Am 29. Juli hat der Tod von acht Soldaten den Ärger der oppositionellen Demonstranten weiter angeheizt. Die Männer wurden auf grausame Weise an der algerischen Grenze getötet, dort, wo eine islamistische, Al Kaida-nahe Gruppe seit Dezember operieren soll.

Der Anstieg der Gewalt, die den Islamisten zugeschrieben wird, schürt in der Bevölkerung Angst. Viele rechnen mit einem ähnlichen Szenario wie in Algerien, wo die Regierung in den 90er Jahren militante Muslime bekämpfte. Diese militanten Bewegungen stellen weiter eine Bedrohung für Nordafrika dar.

Doch ähnliche Szenarien in Tunesien erscheinen dem Experten Alayya Alani wenig wahrscheinlich: Es sei schwierig, die Situation in Tunesien mit jener in Algerien in den 90er Jahren zu vergleichen: Die Armee sei nicht ins politische Leben involviert. Die Menschen in Tunesien – anders als in Algerien – wollten den demokratischen Prozess im Land schützen, Wahlen abhalten und seien überzeugt, bei den Wahlen zu gewinnen.