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Malis neuer Präsident setzt auf Versöhnung nach 18 Monaten Chaos

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Malis neuer Präsident setzt auf Versöhnung nach 18 Monaten Chaos

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In den Mittelpunkt seines Wahlkampfs stellte Ibrahim Boubacar Keita die Aussöhnung der verfeindeten Bevölkerungsgruppen. Dafür hat er zunächst viel Zustimmung erhalten: Das Wahlergebnis ist eindeutig. 22 der ursprünglich 25 Präsidentschaftskandidaten unterstützten ihn in der Stichwahl. Und auch für das Militär scheint der ehemalige Ministerpräsident der Wunschakandidat zu sein.

Vom guten Willen der Armee wird für Keita viel abhängen, denn es war der Putsch vor gut anderthalb Jahren, der Mali in die Krise stürzte. Das Militär übernahm die Macht, weil die Regierung — aus seiner Sicht — nicht entschlossen genug gegen einen Aufstand im Norden des Landes vorging.

Der Coup verursachte jedoch ein politisches Chaos, das es militanten Islamisten und Tuareg-Rebellen ermöglichte, den Norden Malis unter ihre Kontrolle zu bringen. Kidal, Gao und Timbuktu wurden zu Hochburgen der zunächst verbündeten Gruppen.

Nur drei Monate nach dem Putsch vertrieben die Islamisten die Tuareg aus ihren Stellungen und brachten den gesamten Norden unter ihre Kontrolle. Die Bevölkerung war nun der Gewaltherrschaft der islamistischen Milizen ausgesetzt. Sie führten das islamische Scharia-Recht in seiner strengsten Auslegung ein, obwohl die meisten Menschen im Norden Malis Anhänger einer weit weniger konservativen Form des Islam sind.

Anfang dieses Jahres intervenierte Frankreich in seiner ehemaligen Kolonie und beendete gemeinsam mit westafrikanischen Truppen die Schreckensherrschaft der Islamisten. Mittlerweile hat der Abzug der französischen Truppen begonnen. Sie werden von Friedenshütern der Vereinten Nationen vor allem aus Westafrika ersetzt. Mehr als 12.000 UN-Soldaten sollen in Mali bleiben.

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Nach der Vertreibung der Islamisten nahmen die Tuareg-Rebellen Kidal ein, die einzige Stadt in Mali in der sie die Mehrheit der Einwohner stellen. Im Juni erklärten sie sich bereit, an den geplanten Wahlen teilzunehmen.

Der friedliche Verlauf der Wahlen, trotz Drohungen extremistischer Gruppen, gibt Hoffnung, dass Mali die Krise der vergangenen 18 Monate hinter sich hat. Dem neuen Präsidenten stehen nun mehr als drei Milliarden Euro internationaler Finanzhilfe zur Verfügung, um sein Land wieder aufzubauen.