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Ägypten versinkt im Chaos


Ägypten

Ägypten versinkt im Chaos

Angesichts der Eskalation der Gewalt hat die Interimspräsidentschaft um 16 Uhr Ortszeit den Ausnahmezustand verhängt. Dieser gilt für mindestens einen Monat – ebenso wie eine Ausgangssperre zwischen 19 Uhr und 6 Uhr in Kairo und mehreren Provinzen.

Die Lage eskalierte, als die Polizei am frühen Morgen in Kairo die beiden Protestlager der Anhänger der Muslimbrüder und des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi räumte. Sie setzte laut Medien- und Augenzeugenberichten Bulldozer und Tränengas ein. Viele Demonstranten, vor allem die Frauen, hatten die Zeltlager in letzter Minute verlassen. Die verbleibenden Demonstranten leisteten mit Steinen und Feuerwerkskörpern heftige Gegenwehr. Von beiden Seiten soll auch scharf geschossen worden sein.

Danach kam es nicht nur in der Hauptstadt Kairo, sondern landesweit zu Protesten und Zusammenstößen zwischen Polizei und Islamisten. Dabei wurden hunderte Menschen verletzt oder getötet. Vor allem Polizeiwachen und Regierungsgebäude wurden angegriffen, aufgebrachte Islamisten steckten nach Aussage christlicher Aktivisten aber auch drei Kirchen der koptischen Christen in Brand.

Das ägyptische Gesundheitsministerium meldete am frühen Abend 278 Tote und mehr als 1.400 Verletzte landesweit. Die Muslimbrüder sprachen ihrerseits von mehr als 2.000 Toten und über 10.000 Verletzten.

Über 500 Menschen seien festgenommen worden, hieß es aus Sicherheitskreisen. Das Innenministerium ließ vorübergehend den Zugverkehr von und nach Kairo einstellen, offensichtlich, um den Zulauf weiterer Demonstranten zu erschweren.

Nobelpreisträger und Vizepräsident Mohammed ElBarradei reichte angesichts der Gewalt am Abend seinen Rücktritt ein.

International stieß das Vorgehen der Sicherheitskräfte in Ägypten auf Kritik und Entsetzen: UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon, die USA und die EU verurteilten den Einsatz von Gewalt, die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton forderte, dass allen Menschen das Recht auf freie Meinungsäußerung gewährt werden müsse.

Die islamisch-konservative Führung der Türkei kritisierte den Einsatz der Sicherheitskräfte
gegen Islamisten als “völlig inakzeptabel”. Er öffne die Tür zu einem sehr gefährlichen Weg, zitierte die Nachrichtenagentur Anadolu
Staatspräsident Abdullah Gül.

Der Iran warnte vor einem Bürgerkrieg.

  • Cairo ‘War zone’ 14/08/2013

    Anadolu agency


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