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Neue Runde im Streit um Gibraltar

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Neue Runde im Streit um Gibraltar

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Zufälliges zeitliches Zusammentreffen – oder Provokation? Ein britisches Kriegsschiff erscheint genau in dem Moment im Hafen von Gibraltar, als der Streit um das “britische Überseegebiet” mal wieder neu entflammt ist. Die Affen auf dem Felsen stört das sicher nicht. Wohl aber Pendler und Ferienreisende. Laut britischer Regierung nimmt die Fregatte HMS Westminster an einem lange geplanten Marine-Manöver im Mittelmeer teil. Ihr Stopp in Gibraltar habe nichts mit dem Streit um Fischereirechte in diesen Gewässern zu tun. Der Streit eskalierte, als die Regierung von Gibraltar Ende Juli rund 70 Betonklötze ins Meer gelassen und damit ein künstliches Riff erzeugt hatte. An den Eisenhaken der Klötze verfangen sich die Netze der spanischen Fischer.
Ausgerechnet an den Stellen, wo es sich bisher besonders ertragreich fischen ließ, werden sie jetzt behindert, klagt einer der spanischen Fischer. Die Regierung in Madrid reagierte darauf mit verschärften Grenzkontrollen, denn nach Gibraltar führt nun mal nur die Straße aus Spanien.
Ein Reisender stöhnt, das heute sei der reine Horror, ein ganzer Vormittag in der Warteschlange. Und die Dame im nächsten Wagen beklagt fehlenden Respekt vor den rund zehntausend Pendlern, die hier entlang zur Arbeit müssten. Und sie verweist auf die Einwohner von Gibraltar, von denen jeden Tag rund 15.000 ihr gutes Geld in den spanischen Supermärkten hinter der Grenze lassen. Der britische Premier David Cameron hat die verschärften Kontrollen als “politisch motiviert” bezeichnet – und als einen Verstoß gegen die Regeln der Reisefreiheit innerhalb der EU. Wegen des Streits sollen nun aus Brüssel offizielle EU-Beobachter anreisen.
Madrid kontert, weder Großbritannien noch Gibraltar gehörten zum Schengen-Raum und spanische Zöllner wollten doch nur den Schmuggel eindämmen. Dabei sollte man aber nicht übersehen: Dieses winzige Stück Großbritannien, ganze sieben Quadratkilometer groß, hat
wirtschaftliche Vorzüge. Die Wachstumzahlen im Vergleich: Großbritannien magere plus 0,2 , Spanien gar mit 1,4 ins Minus gerutscht – während Gibraltar stolze 7,8% Zuwachs verzeichnet.
Wen wundert es da, dass die 30.000 ständigen Einwohner von Gibraltar ihre roten Telefonzellen und ihre britischen Pässe behalten wollen. Seit 1713 gehört die südliche Felsennase Europas zum britischen Königreich. Laut einer alten Sage werden die Briten erst abziehen, wenn keine Affen mehr auf den Felsen sitzen.