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Wird Ägypten wieder einmal von einem General regiert?

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Wird Ägypten wieder einmal von einem General regiert?

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Pulverdampf liegt in der Luft in Ägypten. Vermag das Militär das Chaos noch abzuwenden.? Kommt da der Ruf nach dem starken Mann?

Das Militär als einzige wirkliche Macht im Staate, das hat in Ägypten Tradition. Von Nasser über Sadat bis Mubarak kamen seit dem Sturz des Königs 1952 alle mächtigen Präsidenten aus den Reihen der Armee. Nun erscheint also General Abdel Fattah al-Sisi auf der Bildfläche. Ein Mann, von dem man diverse Details kennt – aus denen sich aber noch kein klares Bild formen lässt. Vor Offizieren spricht er vom “freien Willen des ägyptischen Volkes”, das sich frei entscheiden könne, wem es folgen wolle, wem es den Schutz seiner Interessen anvertrauen wolle. Während er spricht, blendet das Staatsfernsehen ständig die Losung ein: “Ägypten kämpft gegen den Terrorismus”

Der General schwört, den freien Willen des Volkes zu schützen sei ihm ein höheres Gut als Macht auszuüben in Ägypten.

Es ist der gleiche General, der den Befehl gab, auf Mursi-Anhänger zu schießen. Kann er da den freien Willen des ganzen Volkes vertreten?

Natürlich finden sich in den ruhigeren Ecken der Hauptstadt Anhänger, die ihm mit Herz uns Seele verbunden sind. Die sich von ihm Aussöhnung der verfeindeten Gruppen erhoffen.

Am 12. August 2012, vor gerade mal einem Jahr, hatte der mit einer soliden Mehrheit der Wählerstimmen ins Amt gelangt Muslimbruder Mohammed Mursi den Armeebefehlshaber aus Mubarak-Zeiten durch al-Sisi ersetzt. Von dem 58jährigen General al-Sisi heisst es, er sehe sich in der säkularen Tradition eines Gamal Abdel Nasser. Die Proteste gegen die Politik der Muslimbrüder, die das Land nach streng religiöses Werten ausrichten wollen, wurden von Monat zu Monat lauter – bis al-Sisi am 3. Juli 2013 die Absetzung des gewählten Präsidenten Mursi verkündete. Solches Vorgehen heisst in der Sprache der Politik “Putsch”! Die Rechtfertigung des Generals lautet: “Hätten wir nicht eingegriffen, wäre es zum Bürgerkrieg gekommen.” Knapp zweieinhalb Jahre ist es her, seit Demokraten weltweit den “arabischen Frühling” bejubelten als mutigen Kampf gegen Tyrannei. Was ist daraus geworden? Kommt nun wieder ein “starker Mann” in Kairo an die Staatsspitze?