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Ägyptens Sorge - Tourismus braucht sichere Verhältnisse

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Ägyptens Sorge - Tourismus braucht sichere Verhältnisse

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Ägyptens Wirtschaft muss stabilisiert werden! So klar und nachdrücklich formulierten es die Militärs, die am 3. Juli die Macht im Lande übernahmen. Mit harter Hand gegen die Muslimbrüder vorgehen, deren Präsidenten absetzen – das ist das eine. Das hat aber durchaus schon mit Wirtschaftsfragen zu tun, denn der wichtigste Wirtschaftszweig in Ägypten ist der Tourismus. Bricht der ein, stehen die Hotelanlagen leer, dann fehlt in vielen, vielen ägyptischen Familien das Einkommen.

Also muss die Armee die Touristen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. 14, 7 Millionen Touristen kamen 2010. Es sollte das letzte richtig gute Jahr für den ägyptischen Tourismus werden. Auf 13 Millionen Gäste in diesem Jahr hatte die Branche in Ägypten gehofft – daraus wird nichts. So bleiben denn auch den vielen kleinen Händlern in den auf Touristen orientierten Gegenden die Kunden weg. “Wie kann man in einem instabilen Land auf eine stabile Wirtschaft hoffen”, klagt Ladenbesitzer Sayed Ahmed. Die Wirtschaftsprobleme hängen nach seiner Meinung ganz eng mit den Sicherheitsproblemen zusammen.

Aber seit dem vergangenen Wochenende gelten in den Heimatländern der meisten Reisefreudigen Reisewarnungen. Die Reiseveranstalter haben bis Ende August, manche auch schon bis Mitte September alle ihre Ägypten-Angeboten gestrichen. Der Tourismus trägt “normalerweise” gut zehn Prozent zum ägyptischen Bruttoinlandsprodukt bei. 12 Prozent der berufstätigen Bevölkerung finden hier ihr Einkommen.

Diese Tourismuskrise trifft nun die Ägypter bei galoppierender Inflation. Die liegt bereits bei mehr als 13%. Die Arbeitslosenrate wird in der offiziellen Statistik noch mit 12 % angegeben. Um die 18 % dürfte inzwischen realistischer sein. Dazu kommen die Sorgen der ausländischen Investoren. Eine ganze Reihe von ägyptischen Ablegern großer internationaler Konzerne hatten vorübergehend schon einmal die Produktion gedrosselt. Außerdem hat der Staat Probleme mit seinen Finanzen.

Längst entgeht das Land nur noch dank internationaler Finanzhilfen der offiziellen Staatspleite.

Für 2012 bis 2014 hatte die EU 5 Milliarden Euro zugesagt, aus den USA sollte eine Milliarde pro Jahr kommen. Auf westliche Warnungen, man könnte die Zahlungen aussetzen, haben Saudi Arabien und die Golf-Emirate schnell reagiert. Sie wollen mit 9 Milliarden Euro aushelfen.

Auch Quatar hat Hilfe signalisiert. Diese Angebote haben einen ganz einfachen politischen Hintergedanken: Die dort Herrschenden sehen in den Muslimbrüdern eine Bedrohung für ihre eigene Macht. Deren Gedankengut könnte die eigene junge Generation aufwiegeln.