Eilmeldung

Eilmeldung

Einmal Gefängnis und zurück - Mubarak aus der Untersuchungshaft entlassen

Sie lesen gerade:

Einmal Gefängnis und zurück - Mubarak aus der Untersuchungshaft entlassen

Schriftgrösse Aa Aa

Kairo, Februar 2011. In Ägypten richtete sich der Aufruhr gegen den seit fast 30 Jahren mit Ausnahmegesetzen regierenden Präsidenten Husni Mubarak. Die protestierenden Massen lassen sich nicht mehr einschüchtern. Mehr als 800 Zivilisten sterben durch Mubaraks Schießbefehl . Am 10. Februar ist die Mubarak-Herrschaft vorbei. In seiner kurzen Abschiedrede sagt er: “Ich habe entschieden, gemäß der Verfassung alle Verantwortung dem Vizepräsidenten zu übertragen. Ich bin mir sicher, dass Ägypten diese Krise überwinden wird und nicht daran zerbricht. Gott schütze Ägypten und seine Bewohner. Friede sei mit euch.”

Geblieben von jenem Tag sind Bilder von Jubelszenen auf den Straßen. Der Tyrann ist gestürzt, nun verlangt Volkes Stimme, er möge sich vor einem ordentlichen Gericht verantworten. Mit Mubarak geschieht zunächst, was man schon bei vielen greisen Herrschern gesehen hat. Sobald sie die Macht verlieren, brechen auch ihre körperlichen Kräfte zusammen. Eben noch übermächtig – plötzlich ein kranker alter Mann. Zur Prozeßeröffnung wird der Angeklagte im Bett in den Gerichtssaal geschoben. Er weist alle Beschuldigungen zurück. Verhandelt wird wegen des Vorwurfs der Korruption. Bereicherung auf Kosten des Volkes. Auch Söhne und Ehefrau sind angeklagt. Dem Gericht liegt noch eine weitaus schwerere Anklage vor: Mitschuldig am Tod von mehr als 800 Demonstranten. Das Urteil ergeht am 2. Juli 2012: Lebenslänglich für Mubarak und seinen Innenminister. Mubaraks Söhne werden vom Vorwurf der Korruption freigesprochen.

Der 84jährige Mubarak kommt auf die Intensivstation des Gefängniskrankenhauses Tora. Sein Anwalt legt gegen das Urteil Revision ein. In den folgenden Wochen und Monaten ist von Herzproblemen die Rede. Der kranke noch nicht rechtskräftig verurteilte Untersuchungs-Gefangene kommt in ein Militärkrankenhaus . Im Januar 2013 entscheidet das Kassationsgericht : Das Verfahren wird neu aufgerollt. Die Neuauflage des Verfahrens endet schon kurz nach Beginn. Nach Befangenheitsanträgen von Opferfamilien zieht sich der Richter zurück. Die maximale Dauer der Untersuchungshaft ist damit längst abgelaufen. Von Mubaraks Anhänger hört man: Unter dem neuen Machthaber General al-Sisi seien innerhalb weniger Tage mehr Menschen ums Leben gekommen als vor zweieinhalb Jahren durch den Schießbefehl von Mubarak.