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Ein Jahrhundert mit Chemiewaffen

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Ein Jahrhundert mit Chemiewaffen

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Europa im I. Weltkrieg. Hier wurde im schrecklichsten Sinne des Wortes “der böse Geist aus der Flasche gelassen”. Giftgas als Kriegswaffe. Ob nun zuerst im August 1914 französische Truppen ein für die Polizei von Paris entwickeltes Tränengas einsetzen, oder die kaiserlich-deutschen Truppen im April 1915 bei Ypern in Belgien den Anfang machten, spielt keine große Rolle mehr. Die chemischen Waffen gingen als die fürchterlichsten in die Geschichte dieses Krieges ein.

Während nach diesem Krieg im Völkerbund über ein Verbot dieser Waffen verhandelt wurde, bahnte sich in deutschen Industrielaboren ein noch schlimmeres Grauen an. Aus einem Schädlingsbekämpfungsmittel auf der Grundlage von Blausäure – wissenschaftlich: Cyanwasserstoff – wurde das Gas für den Massenmord von Auschwitz emtwickelt.

Der Markenname “Zyklon B” steht für die industriemäßig organisierten massenhafte Vernichtung von Menschenleben.

Im II.Weltkrieg hatten amerikanische Truppen im Kampf gegen Nazi-Deutschland Vernichtungslager befreit. Nur zwei Jahrzehnte später setzte die amerikanische Armee selber chemische Kampfstoffe ein. Im Vietnamkrieg sollte damit der Dschungel entlaubt werden, der dem vietnamesischen Gegner Schutz bot. Am Ende wurden auch amerikanische Soldaten und deren mißgebildete Kinder zu Opfern des Dioxin-haltigen Kampfstoffes “Agent Orange”.

Nachdem im Krieg zwischen Iran und Irak ab 1980 wurde auch vor den fürchterlichsten Waffen nicht zurückgeschreckt wurde, setzte ein Diktator die Giftwaffe gegen das eigene Volk ein. Saddam Hussein befahl im März 1988, auf diese Art die Revolte der Kurden im Norden des Irak in Giftwolken zu ersticken. Mit Sarin aus der Gruppe der Phosphorsäureester. Dass auch Terrroristen zur Chemiewaffe greifen, konnte nur eine Frage der Zeit sein. Sieben Jahre nach den kurdischen Kindern starben in der U-Bahn von Tokio 12 Menschen an Sarin. Mehrere Tausend wurden verletzt. Opfer einer fanatischen Sekte.
Chemische Waffen machen in ihrer Wirkung keinen Unterschied zwischen feindlichen Kämpfern und unbeteiligten Zivilisten. Wer immer sie einsetzt, kalkuliert dabei auf zynische Weise das Leid von Unschuldigen ein. Wer diesmal den “bösen Geist aus der Flasche” gelassen hat, ist nach Tagen oder Wochen nur noch schwer nachweisbar.