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Vor 50 Jahren verkündet Martin Luther King seinen Traum

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Vor 50 Jahren verkündet Martin Luther King seinen Traum

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28. August 1963, am Lincoln-Memorial in Washington. Vor einer unübersehbaren Menschenmenge, Schwarze und Weiße ohne trennende Schranken, erhob ein schwarzer Baptistenpastor seine Stimme. Martin Luther King sagte: “Ich habe einen Traum, dass sich eines Tages diese Nation erheben und die wahre Bedeutung ihrer Überzeugung ausleben wird.:Wir halten diese Wahrheit für selbstverständlich, alle Menschen sind gleich erschaffen.” Unter Präsident Lincoln war 1865 in den Vereinigten Staaten die Sklaverei abgeschafft worden. Laut Verfassung. Aber im Alltag der Südstaaten lebte die Rassendiskriminierung fort. Konnten die Kaputzenmänner vom Ku-Klux-Klan ungestraft Schwarze lynchen.
Der Historiker John W. Franklin vom Museum für Afroamerikanische Geschichte und Kultur berichtet aus eigenem Erleben: “ Hier in diesem Teil von Washington gab es keine Restaurants, die meine Eltern oder ich hätten besuchen können. Hotels in diesem Stadtteil akzeptierten keine afro-amerikanischen Gäste. Kliniken behandelten keine afro-amerikanischen Patienten. Nur in einem sehr kleinen Teil von Washington DC gab es Banken und Läden, in denen sie bedient wurden.”
Das erste landesweit registrierte Zeichen des Widerstandes setzte 1955 eine mutige Frau. In den Bussen durften Schwarze damals nur auf den hinteren Plätzen sitzen. Rosa Parks aber setzte sich vorne hin – und blieb sitzen. Der Fahrer rief die Polizei, die Frau wurde verhaftet und wegen “Störung der öffentlichen Ruhe” zu einer Geldstrafe verurteilt. Fortan aber benutzte kein Schwarzer in Montgomery, Alabama, mehr einen Bus. Ein ganzes Jahr dauerte dieser Boykott – und setzte ein Zeichen für die nun erstarkende Bürgerrechtsbewegung. Martin Luther King hatte wesentlichen Anteil an der Organisierung des Busboykotts und an dessen Erfolg. In Montgomery wurde die Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln aufgehoben. In Birmingham, Alabama, gingen im Frühjahr 1963 Kinder und Jugendliche gegen die Rassentrennung an den Schulen auf die Straße. Der Historiker bewerte diese Aktion als entscheidend dafür, dass das Problem auch über die Grenze der USA hinaus weltweit bekannt wurde.
“Dies ist der Beginn von Fernsehberichten nicht nur in den USA sondern rund um die Welt. Die Amerikaner sahen schwarze, weiße, Latino, asiatische Kinder, die mit Wasser aus Feuerwehrschläuchen angegriffen wurden, Erwachsene, die von Polizeihunden attakiert wurden, das alles drückte auf das Gewissen der Nation.”
Zum Ende des Sommers 1963 organisierte Martin Luther King den großen Marsch der farbigen Amerikaner “für Arbeit und Freiheit”. Sie wurden am Ende vom Präsidenten John F. Kennedy im Weißen Haus empfangen, der den schwarzen Bürgerrechtler schon mehrfach unterstützt hatte. Nach dem Mord an Kennedy Ende 1963 unterschrieb 1964 dessen Amtsnachfolger Lyndon B. Johnson das Gesetz über die Bürgerrechte. In diesem “Civil Rights Act “ wurde erstmals in den USA Diskriminierung wegen Rasse, Hautfarbe, Religion, Geschlecht oder nationaler Herkunft als illegal eingestuft. Martin Luther King predigte gewaltlosen Widerstand. Seine Gegner griffen zur Waffe. Am 4. April 1968 wurde der Bürgerrechtler in Memphis/ Tennessee ermordet. Danach wollten nicht alle Farbigen mehr der Strategie der Gewaltlosigkeit folgen. Es kam zu regelrechten Aufständen, die die Nationalgarde blutig niederschlug. Für den Kongressabgeordnete John Lewis, einen der heutigen Führer der Bürgerrechtsbewegung, ist der Kampf noch lange nicht beendet. Auch wenn Farbige heute wählen können. Er sagt:” Wir haben einen Farbigen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Viele Leute fragen mich heute, ob Präsident Obama Martin Luther Kings Traum verwirklichen wird. Ich antworte: Nein, soweit sind wir noch nicht . Es stehen noch zu viele Menschen abseits.”