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Skandinavischer Wohlfahrtsstaat 2.0

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Skandinavischer Wohlfahrtsstaat 2.0

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Der dänische Finanzminister Bjarne Corydon ist ein mutiger Mann. “Der globale Wettbewerb um Jobs,” sagte der 40jährige Sozialdemokrat, “verlangt eine Modernisierung des Sozialstaates.”

Dänemark hat seine Wachstumsaussichten vor ein paar Tagen zurückgenommen, die Wirtschaft schrumpfte im ersten Halbjahr um 0,2 Prozent und wenn es so weitermacht, wächst das Budgetdefizit.

Wenn es so weitermacht.

Bjarne Corydon will seine Landsleute überzeugen, den Sozialstaat abzuspecken – obwohl das Land mit einer mäßigen Staatsverschuldung (knapp 46 Prozent des Bruttoinlandspodukts, Deutschland knapp 82 Prozent) durchaus noch Luft zum weniger schmerzhaften Geldleihen hätte.

Sonst verliere Dänemark den Respekt der Investoren.

Dänemark gibt mehr als 30 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Soziales aus, fast 10 Prozentpunkte mehr als im Schnitt der OECD.

Und arbeitet in Schnitt 24 Prozent weniger als in den OECD-Ländern. Mit geringeren Arbeitslosenvergütungen und Mehrarbeit für Lehrer hat sich die Regierung von Helle Thorning-Schmidt schon bisher nicht gerade viele Freunde gemacht.

Governance heißt das neue Zauberwort – professionelles Staatsmanagement.

Übrigens: Auch Finnlands konservative Koalition (Staatsverschuldung: 53% des BIP) plant ein höheres Renteneintrittsalter und weniger großzügige Kindererziehungszeiten.

Mit Reuters

Sozialausgaben in Prozent des Bruttoinlandsprodukts

Frankreich 33%
Dänemark 30.8%
Belgien 30,7%
Finnland 30.5%
Schweden 28.6%
Österreich 28,3%
Deutschland 26,2%
Schweiz 19,1%

OECD 21.9%

Quelle: OECD, 2013