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"The Art of Killing" - Mord ohne Sühne

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"The Art of Killing" - Mord ohne Sühne

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Es sind nette, ältere Herren, liebevolle Opas, Nationalhelden – und Massenmörder. Vor der Kamera von Joshua Oppenheimer erinnern sich ehemalige Paramilitärs in Indonesien an die Gräueltaten, die sie nach der Machtergreifung von General Suharto 1965 verübten. Und spielen sie sogar nach, voller Inbrunst und mit falschem Blut. Über eine Million Menschen wurden damals umgebracht. Die Täter haben bis heute Macht und Einfluss.
“The Act of Killing” heißt Oppenheimers außergewöhnliche, geradezu surrealistische Dokumentation.

Joshua Oppenheimer: “Mein Ziel war nicht, eine historische Lektion zu erteilen oder aufzuklären, über einen Völkermord, der im Grunde niemanden interessiert. Ich befand mich in einem Land, in dem die Täter immer noch an der Macht sind, und verstand den Film vielmehr als eine Erklärung dafür, wie wir unsere Taten rechtfertigen, wie wir durch das Erzählen von Geschichten unsere eigene Wirklichkeit fabrizieren und wie wir den Tätern näher stehen, als uns lieb ist.

Es war so, als wären in Deutschland 40 Jahre nach dem Holocaust immer noch die Nazis an der Macht. Mir klar, welche Bedeutung das für mich und mein Leben haben könnte. Meine Eltern kommen beide aus Deutschland, aus Frankfurt und Berlin. Die Eltern meiner Stiefmutter kamen aus Wien. Sie konnten sich retten. Andere Verwandte konnten es nicht. Besonders in der Familie meiner Stiefmutter. Ich wuchs mit dem Gefühl auf, dass das Ziel aller Politik, aller Moral und vielleicht sogar aller Kultur darin besteht, dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder geschieht. Dieses Mantra, diese Parole “nie wieder” wird viel zu schnell eingeschränkt auf “nie wieder an uns”.

Der von Werner Herzog und Errol Morris produzierte Streifen lief auf mehreren Festivals und wurde auf der jüngsten Berlinale mit dem Publikumspreis Panorama ausgezeichnet. Er ist gerade in den USA angelaufen.