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Oradour-sur-Glane - Ort des Verbrechens, Ort der Mahnung

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Oradour-sur-Glane - Ort des Verbrechens, Ort der Mahnung

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Oradour-sur-Glane, ein Dorf im Südwesten Frankreichs, von dem nur verbrannte Ruinen blieben.
Als stumme Zeugen für eines der schlimmsten Verbrechen der deutschen Waffen-SS im II.Weltkrieg.
Am 10. Juni 1944 wurde fast alle Einwohner des Dorfes von der SS-Division “Das Reich “ ermordet.
Vier Tage zuvor waren die Alliierten an der Küste der Normandie gelandet. Alle deutschen Truppen wurden daraufhin in Marsch gesetzt. Auch die SS-Division, die nach schweren Verlusten in der Sowjetunion zur “Auffrischung” nach Südfrankreich verlegt worden war. Die Division war auf dem Marsch nach Norden, während – ermutigt durch die Landung der Alliierten – auch in dieser Gegend französische Resistance-Kämpfer deutschen Einheiten angriffen. In einem handschriftlichen Bericht des zuständigen Wehrmachtskommandeurs von Limoges, General Gleininger, ist von einer “Vergeltungsaktion” der SS die Rede. Fakt ist: Die Division “Das Reich” kreiste das Dorf ein. Alle Männer wurden auf einem Platz zusammengetrieben, Frauen und Kinder in die Kirche eingesperrt. Dem folgenden Massaker entkamen nur wenige Einwohner. Der damals 19jährige Robert Hébras, einer der 6 Überlebenden, berichtetet, wie seine Freunde und Nachbarn einer nach dem anderen im Gewehrfeuer der SS-Leute zusammenbrachen.
Die holten dann Stroh heran, warfen es auf die Leichen und zündeten sie an. Dem unter den Leichen liegenden verletzten Jungen gelang es im Schutze des Rauches, sich davon zu schleichen. Seine Schwester und seine Mutter waren unter den 207 Kindern und 247 Frauen, die in der brennenden Kirche qualvoll starben. Für den Überlebenden Robert Hebras ist Oradour der Ort der ewigen Mahnung, die auch spätere Generationen niemals vergessen dürfen. Obersturmführen Heinz Barth gehört zu den Tätern, die nach dem Krieg gefasst und verurteilt wurden. Er lebte in der DDR in der Nähe von Berlin und wurde 1982 nach Hinweise aus Frankreich vor Gericht gestellt, zu lebenslanger Haft verurteilt und 1997 aus Altersgründen entlassen. Ein erster großer Prozeß hatte 1953 in Bordeaux stattgefunden. Dabei kam heraus, dass auch junge Männer aus dem Elsaß, die zur Waffen-SS gezwungen worden waren, in Oradour dabei waren. Als auch sie verurteilt werden sollten, brach im inzwischen wieder französischen Elsaß ein Sturm der Entrüstung los. Daran wäre fast die französische Republik zerbrochen. So bekamen 1953 die deutschen SS-Männer, derer man habhaft werden konnte, lange Haftstraßen und jene aus dem Elsaß wurden gnädiger behandelt . Man nennt sie dort bis heute “malgrè nous” , die “gegen ihren Willen gezwungenen”. Noch 1994, 50 Jahre nach der Tat, waren französischen Zeitungen voll von wütenden Leserbriefen von Elsässern, die sich nach der Ausstrahlung eines Filmes über den “Prozeß von Bordeaux” beleidigt und von Frankreich zu Unrecht an den Pranger gestellt fühlten. Jean-Marcel Darthout, einer der Überlebenden, verweist auf den unwürdigen “Historikerstreit”, bei dem in der alten Bundesrepublik die Verantwortung der SS für dieses Kriegsverbrechen geleugnet wurde. Derartige Webseiten mit Titel wie “Die Lüge von Oradour” finden sich nach wie vor im Internet. Er verlangt, das die Bundesrepublik Deutschland ein für alle Mal die deutsche Schuld an diesem Verbrechen bekennt. Es ist ein neues Oradour gebaut worden – neben den Trümmern, die als Mahnung stehen bleiben.