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Werbeberieselung durchs Zugfenster

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Werbeberieselung durchs Zugfenster

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Wer morgens mit Bahn oder Bus zur Arbeit fährt, kennt das Phänomen. Der Kopf vieler Mitfahrer lehnt irgendwann müde an der Fensterscheibe. Diesen Reflex wollen Werber nutzen und Reisende mit Botschaften berieseln. Talking Window heißt das Prinzip. Dafür wird ein kleiner Sender an der Scheibe befestigt und kommuniziert mit den Schlafenden über die sogenannte Knochenleitertechnik.

Sebastian Hardieck von der Düsseldorfer Werbeagentur BBDO erläutert. “Normalerweise kommen Schallwellen durch die Luft ans Ohr, gehen durchs Trommelfell und werden dann vom Innenohr in Geräusche übersetzt fürs Gehirn. Bei der Bone Conduction funktioniert das komplett anders. Da wird ein Knochen in Schwingung versetzt, also ein Schädelknochen, es kann eigentlich jeder Knochen des Körpers sein, diese Hochfrequenzschwingung wird dann in Geräusche übersetzt.”

Die Technologie wird bereits bei Hörgeräten eingesetzt. Das Konzept wurde im vergangenen Winter in Nahverkehrszügen getestet. Ob sich das Heer der Pendler künftig über Werbeberieselung freuen wird, ist ungewiss.

“Ich finde es fürchterlich, unglaublich schlecht, weil wir sind mit Werbung schon absolut überflutet”, meint diese Passantin am Berliner Hauptbahnhof. “Die Konsumgesellschaft sollte sich ein bisschen Gedanken machen, wo wir hin wollen.”

Ein anderer Fahrgast meint: “Wenn ich mir vorstelle, ich würde da morgens auf die Arbeit fahren, die Leute wollen noch ein bisschen schlafen und gerade im letzten Moment, wo man noch ein bisschen schlafen kann, wird man auch noch mit Werbung zugeballert. Vielleicht gibt es da schon viele Gegenstimmen.”

Denkbar ist nach Angaben der Agentur auch, diese Technologie statt für Werbebotschaften zum Abspielen von Musik oder Nachrichten einzusetzen.