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Alternative für Deutschland: Die Euro-Abschaffer

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Alternative für Deutschland: Die Euro-Abschaffer

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Der Haussegen in der Eurozone hängt schief, zumindest ein wenig. Der Süden ist verschuldet, der Norden hilft und verlangt im Gegenzug eiserne Sparprogramme – und Norden, das heißt von Griechenland bis Portugal vor allem eines: Deutschland. Bilder wie diese machen die Runde und manch ein Deutscher fragt sich schon besorgt, kann ich überhaupt noch Urlaub im Süden machen?

Für den Hamburger Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke ist klar: Der Euro ist schuld. Statt Europa zu einen, spalte er es. Mit, so sagt er, möglicherweise schlimmen Folgen.

Lucke: „Zur Zeit steuern die Staaten in Südeuropa in eine wirtschaftliche Katastrophe. Mit den Niveaus an Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit, die wir jetzt schon haben, ist gerade eine Radikalisierung der Bevölkerung in den südeuropäischen Staaten zu befürchten. Das heißt, ich bin mir gar nicht sicher, wie lange es gewährleistet ist, dass wir dort demokratische Regierungen haben und nicht möglicherweise das politische Pendel ausschlägt hin zu irgendwelchen hetzerischen, populistischen, extremistischen Führern.“

Vor kurzem hat Lucke mit Gleichgesinnten eine eigene Partei hochgezogen, die Alternative für Deutschland. Eine Währung für unterschiedlich starke Volkswirtschaften, so ihre Überzeugung, das geht einfach nicht. Und so will die Partei nun Schluss machen mit einer gemeinsamen Währung, Schluss mit Hilfspaketen und Sparprogrammen. Notfalls müsse man eben zurück zu Drachme und D-Mark.

Lucke: „Wenn unsere politischen Vorstellungen sich durchsetzen, dann würde das eine geordnete Auflösung der Eurozone sein, so, wie es auch früher schon geordnete Auflösungen von Währungsverbünden gegeben hat, denken Sie an die Tschechoslowakei, die heute aus zwei Staaten besteht und zwei verschiedene Währungen hat. In ähnlicher Form würde man das in der Eurozone auch machen, schrittweise und vorsichtig und unter Rücksicht auf die wirtschaftliche Situation der einzelnen Staaten.“

Ein Ende des Euros hätte dabei aus Luckes Sicht nicht nur zur Folge, dass sich das Bild Deutschlands bei Griechen und Spaniern wieder bessert, auch für den Süden selbst hätte ein Euro-Ende vor allem positive Auswirkungen.

Lucke: „Nehmen Sie das Beispiel Griechenland, welches das ist, das die Menschen am besten kennen. Griechenland hat einen Nachbarstaat, die Türkei. Die Türkei war hochverschuldet, war nah am Staatsbankrott im Jahre 2003. Aber sie hat eine freie Währung, eine eigene nationale Währung mit einem flexiblen Wechselkurs. Die Türkei boomt heute. Die Türkei hat im wesentlichen dieselben Stärken wir Griechenland auch: Schöne Küsten, einen florierenden Tourismus bespielsweise. Das sind Stärken, die auch Griechenland nutzen könnte mit einer eigenen Währung, wenn es ihnen nur erlaubt wäre, abzuwerten.“

Inzwischen hat die AfD gut 16.000 Mitglieder. Viele von ihnen, wie Lucke, Wirtschaftsfachleute und Professoren. Menschen, die wie viele Deutsche Angst haben, dass ihr Erspartes in scheinbar bodenlosen Rettungsfässern versickert. Neben dem Hauptthema Euro will die Partei auch die Kompetenzen der EU beschneiden, Volksbefragungen einführen und die Zuwanderung neu regeln. Nicht wenige halten die Parteigänger darum auch für einen Haufen verkappter Rechtspopulisten.

Bei einem Auftritt Luckes in Bremen wurde er von mutmaßlichen Linksautonomen angegriffen, er kam mit dem Schrecken davon. Zwar gesteht die Partei, dass auch Zuspruch von Rechts komme, das sei aber die komplett falsche Richtung, versichert Lucke.

„Wer sich mit unseren Forderungen nicht auseinandersetzen will, verwiest immer darauf, dass die NPD auch irgendwo in der politischen Landschaft sich tummelt. Aber was bitte hat das mit uns zu tun? Wir kritisieren den Euro, weil er als europäische Währung versagt hat, wir kritisieren diese riesigen Haftungssummen, die wir für südeuropäische Staaten leisten, weil sie gegen den Maastrichter Vertrag verstoßen und gegen das gegebene Wort der Regierung, nicht für andere Staaten zu haften.“

Wer als Partei in den deutschen Bundestag, das Parlament, einziehen will, muss mindestens fünf Prozent der Stimmen erhalten. Ob das der AfD gelingt, bleibt abzuwarten, im Moment liegt die Partei in den meisten Umfragen bei drei Prozent.