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Die Sieger von Deauville

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Die Sieger von Deauville

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Engagiertes Autorenkino machte beim diesjährigen Festival des Amerikanischen Films im nordfranzösischen Deauville das Rennen gemacht. “Night Moves” von Kelly Reichardt erhielt den Hauptpreis, den Grand Prix der Jury. Das Drama mit Jesse Eisenberg, Dakota Fanning und Peter Sarsgaard handelt von drei radikalen Umweltschützern, die beschließen, einen Staudamm zu sprengen.

Vierzehn Beiträge liefen in offiziellen Wettbewerb. Zwei Streifen erhielten den Jurypreis: “All is Lost” von J. C. Chandor mit Altstar Robert Redford und “Stand clear of the closing doors” von Sam Fleischner.
Ebenfalls ausgezeichnet wurden Chris Eska für “The Retrieval” und Ryan Coogler für “Fruitvale station”.

“Stand clear of the closing doors” erzählt die Geschichte eines jungen mexikanischen Autisten, der sich im new Yorker U-Bahn-Labyrinth verläuft, während seine Mutter verzweifelt nach ihm sucht. Denn Wirbelsturm Sandy steht unmittelbar bevor.

Wettbewerb und Premieren sind das Kernstück des Festivals im berühmten Badeort. Workshops, Gesprächsrunden und Hommagen gehören ebenso zum Programm, erläutert euronews-Reporter Giovanni Magi. “Independent Produktionen und neue Talente standen im Rampenlicht des Wettbewerbs. Für den ganz besonderen Charme des Festivals sorgen seine prominenten Gäste, die Stars aus Hollywood.”

John Travolta erhielt einen der Ehrenpreise des Festivals für sein filmisches Schaffen und enthüllte der Tradition gemäß seinen Namen vor einem der Badehäuschen von Deauville, zur Freude der Fans, die den Kinostar auf der Strandpromenade wärmstens empfingen. “Ich bin mir der Zuneigung des Publikums seit vielen Jahren bewusst”, sagte Travolta. “Es ist schön, auf diese Weise geehrt zu werden.”

In jüngster Vergangenheit war John Travolta vor allem als Bösewicht zu sehen. Ist das eine Rolle, mit der sich wohlfühlt?

“Wohl fühle ich mit guten Drehbüchern und Texten. Eine gute oder böse Figur, das ist Nebensache. Was zählt ist die Qualität der Kommunikation. Wenn das funktioniert, bin ich zufrieden.”

Travolta präsentierte in Deauville außer Konkurrenz seinen jüngsten Streifen, den Actionfilm “Killing Season” mit Robert de Niro über zwei Veteranen aus dem Bosnienkrieg, die sich in der amerikanischen Wildnis ein erbittertes Duell liefern.

Ebenfalls auf Stippvisite in Deauville war die Britin Tilda Swinton bei der französischen Vorpremiere des Science-Fiction-Streifens “Snowpiercer” von Bong Joon-ho”. Swinton schlüpft in die Rolle einer bösen, eiskalten Despotin. Woher nahm sie die Inspiration?

“Es gibt es ein lange Tradition, große bombastische Staatschefs als Clowns vorzuführen. Manche verhalten sie sich wirklich ein wenig Clowns. Man erinnere sich an die Bilder von Gaddafi mit all seinen Orden und Medaillen. Auch an Filmemacher wie Charlie Chaplin und seinen großen Diktator habe ich gedacht, diese Art, Staatsoberhäupter auf verspielte Weise auf die Schippe zu nehmen.”

Der Film spielt in einer postapokalyptischen Welt, nach dem Ende des Dritten Weltkriegs. Auf der Erde ist eine neue Eiszeit angebrochen. Wer überleben will, muss sich einen Platz im sogenannten Schneezug sichern.

“Snowpiercer” ist das englischsprachige Filmdebüt des koreanischen Regisseurs und basiert auf einem französischen Comic aus den 1980er Jahren.