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Heinz Buschkowsky: "Irgendwann kommt es auch in den Hirnen der Politik an, dass das so nicht weitergeht"

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Heinz Buschkowsky: "Irgendwann kommt es auch in den Hirnen der Politik an, dass das so nicht weitergeht"

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Der Bürgermeister von Berlin-Neukölln ist viel gesehener Gast in den deutschen Medien, mit seinem Buch “Neukölln ist überall” sorgte und sorgt er für Schlagzeilen. Heinz Buschkowsky hält nicht hinterm Berg mit seinen Ansichten zu misslungenen Integrationsversuchen, den Problemen in seinem Bezirk und zur Augenwischerei “politisch korrekter” Kollegen, die Multikulti predigen. Er hat sich damit aber nicht nur in seiner sozialdemokratischen Partei auch Feinde gemacht.

In unseren Interview-Ausschnitten beschreibt er die Lage und das Leben in Neukölln, die traditionellen Rollenbilder und Werte der Familienehre, die bei einigen jungen Männern und ihren Familien mit Migrantenhintergrund vorherrschen.

“Bei uns gibt es alles – wir haben hier Einser-Abiturienten, aufstiegsorientierte junge Leute, die allerdings meist nach der Schule den Kiez, das Milieu verlassen wollen. Und ein Milieu der Bildungsferne – durch Zuwanderung aus bildungsfernen Gebieten, wo es gar keine Schule gibt, wo Zentralinstanzen wie Justiz und Polizei nicht existieren … Dann müssen Sie sich nicht wundern, dass die Leute Systeme der Selbstjustiz entwickelt haben. Und diesen Menschen müssen Sie beibringen, dass das hier nicht mehr geht. Sie sind aber nicht bereit, das zu akzeptieren. “

“Alle haben sich lieb – das wird sich alles von alleine einrenken – darauf warten wir jetzt über fünfzig Jahre”, klagt Buschkowsky und fordert einen echten Systemwechsel: Mehr Pflichten für die Zugewanderten und ihre Nachkommen, vor allem, die Sprache zu lernen, Kindergartenpflicht ab dem 13. Lebensmonat, Ganztagsschule und Respekt vor der Schulpflicht: “Bei uns ist ein Parkverstoß ein schlimmeres Verbrechen, als das Kind nicht zur Schule zu schicken – da passiert gar nichts.”

Und: “Es kann auch nicht sein, dass Menschen über dreißig, vierzig Jahre nur durch die Alimentation der Gesellschaft überleben, aber gleichzeitig noch nicht einmal Guten Tag sagen können. Das ist eine Abkapselung, wie ich persönlich sie nicht präferiere.”

Wer die Regeln nicht einhalten will, solle härter sanktioniert werden: Dann gibt’s kein Kindergeld und keine Sozialhilfe. “Aber tragen Sie das mal in Deutschland vor, da wird Ihnen doch sofort das braune Käppi aufgesetzt.”

Bei allem Schimpfen: Buschkowsky ist überzeugt, dass, “wenn der Leidensdruck zunimmt”, auch die Bereitschaft zum Umdenken wächst. “Selbst Herr Seehofer (CSU) sagt inzwischen, wir brauchen mehr Einwanderung. Der hat vor sechs und zehn Monaten gesagt, Deutschland ist kein Einwanderungsland. Irgendwann kommt es auch in den Hirnen der Politik an, dass das so nicht weitergeht.”