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"Meine Phantasie reicht heute nicht aus, mir vorzustellen, dass sich die Union so weit bewegt"

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"Meine Phantasie reicht heute nicht aus, mir vorzustellen, dass sich die Union so weit bewegt"

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Katrin Göring-Eckardt, Spitzenkandidatin Bündnis 90/Die Grünen im Gespräch mit Sigrid Ulrich, euronews, zu der Aussicht auf eine schwarz-grüne Koalition in Berlin.

Sigrid Ulrich, euronews:

“Deutschland ist Nummer eins im Umweltrating (Environmental Rating Agency), die konservative Regierung von Angela Merkel hat die Energiewende beschlossen, zwei Drittel der Abfälle werden recycled – wofür braucht man die Grünen noch?”

Katrin Göring-Eckardt, Spitzenkandidatin Bündnis 90/Die Grünen:

“Also, ehrlich gesagt, erst mal geht es damit los, dass die Energiewende, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, eingeführt worden ist unter Rot-Grün. Damit geht es jetzt in die falsche Richtung. Wir produzieren so viel Kohlestrom wie Anfang der 90er Jahre. Und unser CO2-Ausstoß steigt – und sinkt nicht, wie wir eigentlich bei internationalen Vereinbarungen längst versprochen haben. Und wenn man die Energiewende gut machen will – das sagen übrigens auch die Hälfte der Deutschen – dann geht das mit der schwarz-gelben Bundesregierung jedenfalls nicht.”

euronews:

“Und mit Schwarz-Grün ginge es besser?”

Göring-Eckardt:

“Es geht besser, wenn man eine Koalition hat, die das tatsächlich will und ich sehe das bei der Union nicht, dass sie das wollen. Der zuständige Minister ist ja Peter Altmaier, der in der CDU ist und deswegen muss es wirklich einen Regierungswechsel geben.”

euronews:

“Na ja, das wäre je auch einer….”

Göring-Eckardt:

“Das wäre keiner, weil dann würde die CDU mit ihrem falschen Kurs, mit dem “Energie-Revival-Kurs” in Richtung der fossilen Energieträger weiterhin versuchen, in diese Richtung zu gehen und man muss jetzt dafür sorgen, dass man wirklich mit Kraft, mit Vehemenz, mit großer Leidenschaft und im wahrsten Sinne des Wortes mit Energie in Richtung 100 Prozent erneuerbare Energien geht. Das können wir schaffen bis zum Jahr 2030, aber nicht mit einer konservativen Regierungsbeteiligung, die das genau nicht will.”

euronews:

“Innerhalb der Grünen wird diskutiert – der Wunschpartner SPD stagniert sehr stark in den Umfragen – wenn es nicht reicht für Rot-Grün, was dann? Daniel Cohn-Bendit hat geraten, dass man jetzt über Alternativen nachdenken soll…”

Göring-Eckardt:

“Über Alternativen kann man nur nachdenken, wenn die Inhalte stimmen. Und da muss man sich ankucken: Könnten wir mit der Union eine Flüchtlingspolitik machen, die heute sich hinstellt und sagt:Deutschland ist überfordert, weil etwas mehr Asylbewerberinnen und Asylbewerber hier sind? Kann man eine Regierung bilden mit einer Partei, einer CDU und einer CSU, die in der Familienpolitik genau in eine andere Richtung geht? Die haben ein Betreuungsgeld eingeführt statt Kindertagesstättenplätze ausreichend zur Verfügung zu stellen. Kann man mit einer Union eine Regierung bilden, die bei der Energiewende wieder zurückgeht zu den fossilen Energieträgern? Die die letzte Bundestagswahl noch zur Abstimmung über eine Laufzeitverländerung für Atomkraftwerke gemacht hat? Und man weiß auch nicht, wann das nochmal wiederkommt.

Und ich glaube, eine Bundesregierung, die muss stabil sein und die muss in eine Richtung arbeiten. Und mit einem jeweiligen Gezerre hin und her wird man nichts erreichen können. Und meine Phantasie reicht heute jedenfalls nicht dafür aus, mir vorzustellen, dass sich die Union so weit bewegt.”