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Deutschland und seine Türken

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Deutschland und seine Türken

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Berlin-Neukölln . Der Stadtteil mit den 160 Nationalitäten. Die Türken nennen Neukölln auch gern die “größte türkische Stadt in Europa nach Istanbul”. In ganz Deutschland leben heute rund 3,4 Millionen Menschen türkischer Abstammung. Da Deutschalnd keine Doppelstaatsbürgerschaft kennt, müssen sie sich entscheiden. Gar nicht so einfach, wie Bezirksbürgermeister Ηeinz Buschkowsky weiß: “Je ferner die Heimat ist, desto konservativer, desto fanatischer werden die Werte der Heimat glorifiziert und bewahrt. Diese Angst, unsere Kinder sollen nicht vergessen, dass wir stolze Türken sind..” Das Problem hatte der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan bei seinem Staatsbesuch 2011 angesprochen. Einerseits ermutigt er seine in Deutschland heimisch gewordenen Landsleute, sich dort auch zu integrieren. Andererseits aber – ohne auf dem Wege der Assimilation ihre Herkunft preiszugeben. Die rund 1,3 Millionen türkischen Staatsbürger, die in Deutschland leben, dürfen nach mehreren Gesetzesänderungen an den Parlamentswahlen in der Türkei teilnehmen. Die Geschichte der Türken in Deutschland begann mit dem Arbeitskräftebedarf der westdeutschen Industrie in den Jahren des “Wirtschaftswunders”. Sie wurden “Gastarbeiter” genannt, weil man im “Gastland” meinte, die “Gäste” würden wieder gehen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Das erwies sich als Trugschluß. Die späte Erkenntnis wird heute gern in die Worte gefasst :“Wir riefen Arbeitskräfte – aber es kamen Menschen”. Franziska Wöllert vom Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung schätzt ein: “So sind natürlich diejenigen Migrantengruppen, die in Zeiten der Gastarbeiter-Anwerbung gekommen sind, deutlich weniger gebildet und haben durch die Schwierigkeiten im deutschen Bildungssystem diese eher Bildungsferne auch an ihre Kinder in die zweite und dritte Generation weitergegeben.” An den Wahlplakaten und Wahlveranstaltungen lässt sich ablesen, dass die Kinder und Enkel der einstigen Gastarbeiter auch in der deutschen Politik angekommen sind. Jede Partei, die auf sich hält, hat auch türkische Kandidaten. Laut jüngster Umfrage haben 90% der türkisch-stämmigen Bürger die Absicht, am 22. September an der Bundestagswahl teilzunehmen. Damit liegt ihre Wahlbeteiligung deutlich über dem Durchschnitt aller Wahlberechtigten.