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Iran gibt den Chemiewaffenfeind

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Iran gibt den Chemiewaffenfeind

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Der Iran hat Russlands Vorschlag, die syrischen Chemiewaffen unter internationale Kontrolle zu stellen, begrüßt. Die Sprecherin des Teheraner Außenministeriums sagte, der Vorstoß sei ein Schritt in die richtige Richtung.

“Wir hoffen, dass die Beratungen zwischen dem Iran und allen Seiten, die gegen den Krieg sind, zu einem guten Ergebnis kommen, damit wir es so verhindern, dass ein Punkt erreicht wird, von dem an es kein Zurück mehr gibt.”

Der Iran, so die Sprecherin weiter, wolle eine chemiewaffenfreie Welt. Weder die syrische Regierung noch die Rebellen dürften Zugang zu C-Waffen haben. Der Iran unterstützt Syriens Präsidenten Assad und gibt den Rebellen die Verantwortung für den mutmaßlichen Giftgasangriff bei Damaskus.

Mit dpa, Reuters, AFP

Beim Iranisch-amerikanischen Nationalrat in Washington, einer exil-iranischen Denkfabrik, sieht man die Krise in Syrien auch als Schlüssel zu Reformen in der Gesamtregion . Mit dem Forschungsdirektor Reza Marashi sprach euronews-Korrespondent Stefan Grobe über die Rolle, die der Iran in der Syrien-Κrise spielen könnte.

Reza Marashi
“ Ich denke, dass diverse Entscheidungsträger im Iran, natürlich nicht nicht alle, im Laufe des letzten Jahres bereit waren, in Syrien gewissermaßen den Kopf der Schlange abzuschlagen, um den Körper erhalten zu können. Das meint, Assad weg, aber bestimmte Strukturen der herrschenden Baa’th Partei erhalten, um mit diesen Leuten an den Verhandlungstisch zu kommen, um eine politische Lösung zu finden. Die Iraner gehörten zu den ersten, die ebenso wie die UN sagten, dass es keine militärische Lösung geben kann für dieses Problem, sondern nur eine politische. Aber ein iranisches Engagement für so eine politische Lösung , die das Töten stoppen könnte, ist nicht zum Nulltarif zu haben. Da wird ein Preis für die iranische Bereitschaft auszuhandeln sein. Bisher haben weder die Vereinigten Staaten noch die Europäische Union Bereitschaft zu solchen Verhandlungen gezeigt. “

In Teheran mehren sich unterdessen die Stimmen, die dem Verbündeten Syrien keineswegs bedingungslos zu folgen bereit sind.

Reza Marashi
“Der Einsatz von chemischen Waffen durch die Assad- Regierung war der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Auch in den Augen vieler Entscheidungsträger im Iran . Ich würde noch einen Schritt weiter gehen und behaupten, dass das wahllose Töten unschuldiger Syrer im Namen der Regierung Assad für viele Iraner schon vorher nicht mehr hinzunehmen war. “

Im Iran setzt sich – wenn auch langsam – die Erkenntnis durch, dass es durchaus im nationalen Interesse sein kann, Assad fallen zu lassen.

Reza Marashi
“ Die veränderte Haltung gegenüber der Assad- Regierung ist das Ergebnis langer Debatten im Iran.
Dort hat man festgestellt, dass die andauernde Unterstützung von Assad systematisch dem iranischen Einfluß im Nahen Osten geschadet hat. Das halte ich für den entscheidenden Punkt in den Überlegungen jener iranischen Entscheidungsträger, die jetzt bereit wären, es den Amerikanern zu überlassen, dort militärisch einzugreifen.”

Teheran sieht eine orientierungslose US-Politik mit Sorge. Da ist die Gefahr einer Isolierung ebenso wie das Risiko, in den Sog der Ereignisse mitgerissen zu werden in eine Richtung, die man gar nicht will..

Reza Marashi
“ Ich denke, der Satz von der ´roten Linie´ beinhaltete von Beginn an ein Risiko. Ich würde sogar von einem doppelten Risiko sprechen. Einmal ginge es um die Strategie für den Tag danach. Was tut man nach dem Militärschlag? Und ein zweites Risiko sehe ich im Fehlen von ausreichender Kommunikation zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten. Wenn es keine Anreize gibt für den Iran, sich an einer wie auch immer gearteten ´Anti-Assad-Politik´zu beteiligen, einer Politik der Schwächung von Assad – und damit sich an einer politischen Lösung zu beteiligen, dann könnte das extremistischen Elementen im Iran Auftrieb geben. Das könnte dann zu einem regionalen Chaos führen, wie es sich bereits recht deutlich andeutet. Und das wäre dann für alle so richtig gefährlich. “