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Griechenland: Von der Traufe in den Regen

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Griechenland: Von der Traufe in den Regen

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Griechenland rechnet nach einem Zeitungsbericht (“Naftemporiki”) in diesem Jahr nur noch mit einem Rückgang seiner Wirtschaftskraft um bis zu 3,8 Prozent.

Die internationalen Geldgeber des Eurolandes gehen bisher von 4,2 Prozent Minus aus. Die Zeitung weiter: das Athener Finanzministerium peile im kommenden Jahr mehr als 0,6 Prozent Wachstum an – ebenfalls mehr als angenommen.

Aber noch überwiegen die Hiobsbotschaften:

27,9 Prozent Arbeitslosenquote im Juni nach 27,6 Prozent im Mai, so die Zahlen des Statistikamtes Elstat. Im Juni 2012 war die Quote noch 3 Prozentpunkte niedriger. Bei den Jungen sank die Quote von 64,9 auf 58,8 Prozent.

Nikoletta Argiogitis (29), arbeitslose Englischlehrerin:

“Wenn ich mich so umsehe, wird die Lage immer schlimmer. Immer mehr verlieren ihre Jobs. Löhne sinken. Keine Ahnung, wie das weitergeht.”

Dimitris Gerousakis (33), arbeitslos:

“Kann sein, dass ich Griechenland verlassen muss. Ich war schon mal weg für meinen Master-Abschluss. Dann kam ich zurück, um hier zu arbeiten. Sieht aber jetzt wieder nach Berlin aus.”

Die Einen protestieren laut gegen das Dilemma, zum Beispiel Lehrer gegen die Ausdünnung des Öffentlichen Dienstes.

Aufgebrachte Arbeiter einer defizitären staatlich kontrollierten Nickelfabrik hatten am Dienstag in Athen den ehemaligen griechischen Innenminister Prokopis Pavlopoulos attackiert. Sie schleuderten Flaschen und übergossen ihn mit Wasser. Die Nickelfabriken Larco sollen im Zuge der Privatisierungen verkauft werden.

Andere distanzieren sich innerlich: Laut Arbeitsministerium arbeiten mehr als 35 Prozent der Griechen schwarz. Auch wegen der Wirtschaftskrise fehlen Milliarden in den Rentenkassen. Thanasis Kapotas, Sprecher der Mitarbeiter, prophezeite Rentenkürzungen von zehn bis 30 Prozent.

Am 22. September ist wieder ein Tag der Wahrheit mit den Kontrolleuren der Troika.

Mit dpa