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Kunst hat das Wort auf der Biennale in Lyon

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Kunst hat das Wort auf der Biennale in Lyon

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Die 12. Biennale für zeitgenössische Kunst hat im französischen Lyon ihre Tore geöffnet. Bis Anfang Januar stehen Ausstellungen, Performances und andere Kunstevents in der ganzen Stadt auf dem Programm.
Diesjähriger Gastkurator der Schau ist Gunnar B. Kvaran. Der gebürtige Isländer, der in Aix-en-Provence Kunstgeschichte studierte und heute das Astrup Fearnley Museum in Oslo leitet, ist ein rastloser Reisender. 77 Künstler aus 18 Ländern hat er
ausgewählt.
“Seit fast zwei Jahren bin ich auf Achse. Ich bin um die halbe Welt gereist, überall hin, um Künstler aufzuspüren. Das Thema dieser Biennale ist die Erzählung. Deswegen haben wir Künstler ausgesucht, die nicht nur sehr unterschiedliche Geschichten erzählen, sondern dafür auch sehr markante Ausdrucksformen wählen.”

euronews-Reporter Wolfgang Spindler:
“Im Endeffekt geht es in der Kunst immer um das Geschichtenerzählen. Jeder Künstler hat seine eigene Sprache. Man muss nur richtig hinsehen und zuhören, um seine Geschichte zu verstehen.”

Der Brasilianer Jonathas de Andrade zum Beispiel hat eine dokumentarische, nahezu anthropologische, Herangehensweise und erzählt die Geschichte einer im Norden Brasiliens beliebten Süßigkeit Namens “Nego Bom”. Seine Bilder vervollständigt er mit Berichten von Fabrikarbeitern.

JJonathas de Andrade: “Diese Arbeit basiert auf unterschiedlichen Erinnerungen. Ich versuche zurückzuverfolgen, wie aktuelle soziale Beziehungen auf dem basieren, was in der Vergangenheit geschah. Wir können das spüren, aber nicht unbedingt analysieren.”

Der in französische, in New York lebende Künstler Antoine Catala setzt sich mit der Frage auseinander, wie digitale Medien unsere Beziehung zu Bildern verändert haben. Wer heute das Wort Teetasse in eine Suchmaschine eingibt, stößt nicht nur auf Fotos, sondern auch auf Programme für die Herstellung von Teetassen im 3D-Drucker.

Antoine Catala: “Es besteht eine materielle Wechselbeziehung zwischen dem Bild, dem Objekt und dem Wort. Und alle Werke in diesem Raum befinden sich im Fluss, zwischen Bild, Objekt und Wort”.

Der Videokünstler Ming Wong inszeniert sich selbst. Er dreht bekannte Filme nach und übernimmt die Hauptrollen. Seine Installation auf der Biennale ist eine Hommage an das japanische Kino. Drei Filme hat der in Singapur geborene und in Berlin lebende Künstler auf seine ganz persönliche Weise neu inszeniert, um herauszufinden, wie es sich anfühlt, Japaner zu sein.

Ming Wong: “Ich musste Kabuki erlernen und die japanische Aussprache üben. Ich habe mit einem japanischen Drehteam in einem japanischen System gearbeitet. Und ich habe mich unglaublich angestrengt, um die zeitgenössische Identität Japans zu erfassen.”

Bei der Eröffnung der Kunstbiennale in Lyon war auch die französiche Kulturministerin anwesend und hatte ein offenes Ohr für die Botschaften der ausgestellten Künstler.
“Der Künstler macht einen Vorschlag, dem muss mann nicht folgen. Niemand ist gezwungen, auf einen Künstler einzugehen. Es ist ein Vorschlag und insofern ein respektvolle Annäherung. Das ansich ist schon eine positive Botschaft in einer extrem materialistischen und zweckorientierten Welt.”

80 Prozent der Arbeiten wurden eigens für die bis zum 5. Januar 2014 dauernde Biennale geschaffen. Sie zählt mit einem Budget von 9 Millionen Euro und 200 000 Besuchern zu den wichtigsten internationalen Kunstausstellungen Europas.