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Costa Concordia - teure Entsorgung eines Wracks

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Costa Concordia - teure Entsorgung eines Wracks

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Badestrand mit Wrack – auf diese Attracktion würden die überwiegend vom Tourismus lebenden Bewohner der kleinen Insel Giglio liebend gern verzichten. Das einserne Ungetüm hat ihnen schon die zweite Saison verdorben.
Doch nun keimt Hoffnung auf. Wenn alles gut geht, könnten sie den Störfaktor vor de Haustür gerade noch rechtzeitig vor der nächsten Saison loswerden. Franco Porcellachia von der amerikanischen Carnival Corporation ist einer der führenden Experten weltweit für den Umgang mit solch Riesenschiffen. Er verweist auf die Schwierigkeit, den seit 20 Monaten in extremer Schieflage verharrenden Havaristen aufzurichten. Dazu mussten spezielle Hilfskonstruktionen entwickelt werden, denn so etwas ist noch nie zuvor gemacht worden.,
Zur Vorbereitung wurden 21 Pfeiler im Meeresgrund verankert, auf denen sechs Plattformen ruhen, die das Riesenwrack halten sollen. Ist das Wrack erst einmal stabilisiert, will man insgesamt 15 Schwimmbehälter befestigen. Dann wird das Wasser aus dem Schwimmkästen herausgepumpt – das Schiff “schwimmt” wieder und kann somit abgeschleppt werden. Für die ganze nie zuvor erprobte Operation, an der bis zu 500 Leute mitarbeiten, sind rund 600 Millionen Euro veranschlagt, die allein von der Reederei und deren Versicherungen bezahlt werden.
Die “Costa Concordia” , 2006 in Dienst gestellt, gehört in die Reihe jener Kreuzfahrtschiffe, die im Laufe der Jahre zum Zwecke des Profits immer riskanter gebaut wurden. Hoch aufragend, weil Kabinen unterhalb der Wasserlinie weniger Geld bringen. Auch wenn das jeder Schiffbaulogik widerspricht. 290 Meter land, 36 Meter breit. Mit 114 000 Bruttoregistertonnentonnen kostete das Schiff damals neu 422 Millionen Euro. Jetzt wird die Entsorgung fast ein Drittel teuerer, was aber nicht zu vermeiden ist, angesichts der enormen Umweltschäden, die drohen, wenn das Wrack so nahe vor der Insel weiter auseinanderbricht und verrottet. Unvergessen sind auch die katastrophalen Verhältnisse in jener Nacht zum 13. Januar 2012, als der Kapitän gegen alle Regeln der Seefahrt sein sinkendes Schiff verließ und 32 Passagiere ihr Leben verloren. Nicholas Sloane, weltweit anerkannte Experte für Seenotrettung, erinnert an den Kummer der Angehörigen jener zwei Passagiere, deren Leichen immer noch nicht gefunden wurden. Er hofft, es könne nach dem Aufrichten des Wracks mit Kameras gelingen, sie zu finden. Das habe Priorität. Was bleibt vom skandalträchtigen Schiffbruch der “Costa Concordia” ? Vielleicht die Lehre, dass immer größer, immer teurer, immer profitträchtiger wohl doch nicht der beste Weg ist. Auch nicht zu Wasser.