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Angela Merkel, die "Mutti" der Deutschen

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Angela Merkel, die "Mutti" der Deutschen

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Die Wahlkampfzentrale der CDU hat “Angie”-Plakate austeilen lassen, damit die etwas spröde-pragmatisch daherkommende Spitzenkandidatin Angela Merkel volksnäher wirkt. Dabei braucht Angela Merkel gar keinen Kuschelkurs, um Stimmen zu gewinnen.
Die Wähler sehen, unter ihrer Regierung kommt Deutschland viel besser durch die Krise als andere EU-Staaten. Das wirkt. Sie sagt dann in ihrer Wahlkampfrede: “Wir hatten jetzt trotz widriger Umstände vier ganz gute Jahre. Ich möchte, dass wir in vier Jahren sagen können: 2017 geht es noch mehr Menschen besser als heute. Dafür arbeite ich. Und dafür bitte ich Sie dann um ihre zweite Stimme. Denn die dient dazu, dass ich weiter ihre Bundeskanzlerin sein kann, was ich gerne sein würde.”
Ihre Erzählungen aus der eigenen Jugend in einer Schulstunde zur jüngeren Geschichte waren so ziemlich das persönlichste, was sie im Wahlkampf von sich preisgab. Der Mann auf der Straße sagt in einer Umfrage: “Well, she did a good job I think. Sie hat einen guten Job gemacht. Ihr Umgang mit den Problemen und Konflikten in Europa ist ok.” So möchte sie auch gesehen werden. So gewinnt sie Wähler.

Als erste Frau in der Geschichte der Bundesrepublik wurde die CDU-Vorsitzende 2005 erstmals als Bundeskanzlerin vereidigt. Damals führte sie zunächst eine Koalitionsregierung mit den Sozialdemokraten. Schon ihr Weg bis hierher – von der unbekannten jungen Physikerin, die sich in der DDR nie um Politik gekümmert hatte, vorbei an ehrgeizigen politikerfahrenen Männern bis an die Spitze der Christdemokraten – das wird als einmalige Leistung in die Geschichte eingehen.

Die promovierte Naturwissenschaftlerin führte einen anderen Politikstil ein. Vor allem in der Finanzkrise 2008 stellten Kritiker erstaunt fest, wie weit sie mit ihrem pragmatischen Ansatz kam. Als sie 2005 erstmals die Amtsgeschäfte übernahm, erbte sie vom Sozialdemokraten Gerhard Schröder eine Arbeitslosenquote von 11 Prozent. Sie setzte konsequent um, was Schröder unter dem Namen “Agenda 2010” angedacht hatte. Mit dem Ergebnis, dass bei ihrer zweiten Wahl 2009 die Arbeitslosigkeit schon auf 8 Prozent gesunken war und heute mit 6,8 Prozent nur halb so hoch ist wie beim Nachbarn Frankreich.

Josef Janning von der “Deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik” weist auf ihre unterschiedliche Wahrnehmung im In- und Ausland hin.:“Sie ist in Europa oft mit Margret Thatcher verglichen worden. Sie charakterisiert worden als eisern, als unbeugsam, als unwillig. Das ist nicht das Bild, das die Deutschen im Inneren von ihr haben. Da erscheint sie eher, wie ihr Spitzname lautet, als ´Mutti´, nämlich als eine von uns , die sich kümmert.”

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