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"Dakh Daughters" - Wahnsinn mit Methode!

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"Dakh Daughters" - Wahnsinn mit Methode!

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Sieben Schauspielerinnen, fünfzehn Instrumente und mindestens fünf verschiedene Sprachen: das sind die “Dakh Daughters”, eine ziemlich schräge Performance-Truppe aus der Ukraine. Mit dem Song “Rozy/Donbass”, basierend auf einem Shakespeare-Sonett, wurde das “Freak Kabarett”, wie sie sich selber nennen, im Internet bekannt.

Der Auftritt der sieben furchtlosen Grazien war einer der Highlights zur Eröffnung des diesjährigen Kiewer Festivals für Gegenwartskunst “Gogolfest”, ein internationales Treffen für kreative Geister aus Musik, Theater, Kunst, Kino und Literatur.

Die “Dakh Daughters” sind ein Projekt des in Kiew ansässigen unabhängigen Zentrums für zeitgenössische Kunst “Dakh”. Alle Mitglieder sind ausgebildete Schauspielerinnen, eine Grundvoraussetzung, um auf der Bühne experimentelle Gefilde zu erforschen. Denn der Wahnsinn hat Methode!

Anna Nikitina: “Freak kann man mit seltsam übersetzen. Wir sind allesamt ziemlich seltsam, das lässt enorm viel Freiheit für Theater, Musik und alles andere.”

Solomiya Melnyk: “Alles, was wir tun, entsteht von selbst, irgendwo im Raum. Wir setzen uns zusammen hin, tragen Ideen vor und dann entsteht etwas Neues. Sir spielen Kontrabass, Cello, Keyboard, Schlagzeug, Gitarre, Akkordeon, Geige, Xylofon und demnächst auch Orgel, zumindest ist das geplant.”

Gegründet wurde das “Gogolfest” vor sechs Jahren vom Leiter des “Dakh” Theaters Vladyslav Troitsky. Das Programm ist international, aber auch Eigenproduktionen werden gezeigt, wie die Freakshow der “Dakh Daughters”.
Die Botschaft des Festivals fasst der Avantgarde-Regisseur folgendermaßen zusammen: “Hört auf zu verzweifeln und darauf zu hoffen, dass jemand daherkommt und Euer Leben besser macht! Deswegen heißt unsere Eröffnungsvorstellung in diesem Jahr: “Weder Gott, noch König, noch Tribun”. Die Infrastruktur des Festivals ist sicher nicht die beste, mitten in einer Industrieanlage. Aber genau aus dieser Art von Chaos kann etwas Magisches entstehen.”

Die “Dakh Daughters” waren bereits im Ausland auf Tournee, unter anderem auch in Frankreich, im Pariser Theater “Le Monfort”.
Die Begegnung mit dessen Leiter, dem Franzosen Stéphane Ricordel, führte zu einer Koproduktion. “Stantsia” heißt das Stück über die Einsamkeit eines ehemaligen Bahnhofsvorstehers. Es entstand in nur zehn Tagen.

Ricordel ist voller Lob für die ukrainischen Schauspielerinnen und würde jederzeit wieder mit ihnen zusammenarbeiten.
“Weil es wahrhaft professionelle Darstellerinnen sind, voller Kraft. So direkt und ausdrucksstark, sie schauen Dir direkt ins Auge, sind voll und ganz bei der Sache. Ich finde, das gibt Kraft. Ich wollte etwas davon im Stück mit dabei haben. Es ist wie in einem Traum der Hauptfigur, Dima, diese jungen Frauen kommen und gehen wie Traumgestalten. Dieser Typ ist ganz allein, und die Frauen träumen ihren Traum.”

Das nach dem russischen Autor Nikolai Gogol benannte Festival geht bis zum 22. September.

Ebenfalls mit dabei: die Chaos-Kultband “DakhaBrakha”, ein weiteres Projekt des rührigen Theatermachers Vladyslav Troitskiy.