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Peer Steinbrück - der verbissene Herausforderer

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Peer Steinbrück - der verbissene Herausforderer

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Im Wahlkampfendspurt war es der Stinkefinger, der den Bekanntheitsgrad des SPD-Kanzlerkandidaten nach oben trieb. So hatte noch niemand den als nicht sonderlich charismatisch bekannten Peer Steinbrück erlebt.

Sich unters Volk zu mischen, ist außerhalb von Wahlkampfzeiten nicht eben seine Art. Er hält mehr von solider Arbeit. Konkret abrechenbar, wie er sie als Finanzminister auf Landes- und Bundesebene gemacht hat. Der “Fischkopp” ist in Hamburg geboren und aufgewachsen. Im benachbarten Bundesland Schleswig-Holstein machte er seine ersten Regierungserfahrungen.
2002 wurde er Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen, wo er die nächste Wahl 2005 mit Pauken und Trompeten verlor. Wieder aufwärts ging es für ihn als Finanzminister in der großen Koalition.

An internationaler Erfahrung mangelt es diesem Kandidaten. Aber die hatte seine CDU-Rivalin Merkel auch nicht, bevor sie Kanzlerin wurde. Die beiden haben in der großen Koalition sachlich zusammengearbeitet. Allerdings hängt ihm aus jener Zeit der Makel an, die Gefahr der Finanzkrise nicht rechtzeitig erkannt zu haben – auch wenn er für sein dann entschlossenes Handeln sogar den Preis einer Fachzeitschrift erhielt.

Professor Friedbert Rüb vom Institut für Sozialwissenschaften der Berliner Humboldt-Universität verrweist auf Steinbrücks zupackende Art, auch umzusetzen, was er einmal als notwendig erkannt hat. Ihm traut er eher mehr als Merkel zu, die deutsche Gesellschaft umzubauen, dabei seine Ideen auch durchzupauken, in einer Art, wie es Merkel nie tun würde. Da sieht der Wissenschaftler die Unterschiede in Politik und Persönlichkeit beider Kandidaten.

Beim einzigen Fernseh-Duell, auf das sich die Amtsinhaberin vor der Wahl einlassen wollte, war kein klarer Gewinner zu erkennen. Steinbrück leidet an der Schwäche seiner Partei, der SPD, die seit Gerhard Schröder keinen Politiker mehr zu bieten hat, der die Massen bewegen, geschweige denn begeistern könnte.

So kämpft er denn mit oft verbissener Miene bis zur letzten Minute gegen den “Kanzlerinnen-Bonus” an:
Die Leute wissen, was sie an seiner Rivalin haben, dass sie mit ihr in den letzten Jahren besser durch die Krise gekommen sind als andere EU-Bürger.

Das macht nicht unbedingt Mut zum Risiko, das ein Wechsel mit sich bringt. Hinzu kommt der mehrfache Wechsel an der Spitze der deutschen Sozialdemokraten in den Jahren nach Schröder.
So etwas verunsichert Wähler.

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