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Referendum über Wehrpflicht in der Schweiz

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Referendum über Wehrpflicht in der Schweiz

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Für die Schweiz ist ihre Wehrhaftigkeit ein Mythos, dem mit der Logik des 21. Jahrhunderts nicht beizukommen ist. Also wird wieder einmal über Sinn oder Unsinn der Wehrpflicht in der Alpenfestung abgestimmt. Die Erfahrung, dass im vergangenen Jahrhundert nicht die Armee sondern Politik und Banken das kleine Land aus den großen europäischen Kriegen herausgehalten haben, spielt dabei kaum eine Rolle. 6% des Staatshaushaltes gehen an die 150.000-köpfige Armee. Damit hat die kleine Schweiz so viele Soldaten unter Waffen wie Belgien, Österreich, Norwegen, Finnland und Schweden zusammen.
Verteidigungsminister Ueli Maurer gehört zur stärksten politischen Kraft im Lande, der “Schweizerischen Volkspartei” -SVP – einer nationalkonservativ bis rechtspopulistisch orientierten Partei. Sein Argument:
“Eine Freiwilligenarmee wäre mit Sicherheit viel schlechter. Sie wäre teuerer, sie hätte weniger Kompetenzen und sie würde nicht garantieren, dass wir die Sicherheit gewährleisten können, weil wir wissen nicht, ob Freiwillige dann kommen, wann sie kommen, wie sie kommen. Wir brauchen eine Verpflichtung, Militärdienst zu leisten.” In Europa halten nur noch sechs Staaten der EU plus Norwegen und Schweiz an der Wehrpflicht fest. Großbritannien schaffte sie schon 1960 ab, Frankreich 1997, Portugal 1999, Spanien 2001, Italien 2005 und Deutschland 2011. Beantragt hat diesen Volksentscheid die “Gruppe Schweiz ohne Armee”. Ihre Argumente: Die Armee ist so viel zu teuer und es herrscht Ungleichheit, weil keinesfalls alle jungen Männer dienen müssen. Josef Lang, der Sprecher der “Gruppe Schweiz ohne Armee” sagt: “Wenn Traditionen überholt sind und vor allem, wenn sie so teuer sind, muss man sie aufheben”. Der Mythos einer wehrhaften Schweiz, gewappnet gegen alle möglichen Feinde, kostet die Bürger auch im Alltag eine Menge Geld. So wird die Landwirtschaft enorm subventioniert, um im Kriegsfall das Volk aus eigener Kraft ernähren zu können. Die Fahrradtruppen wurden allerdings 2003 abgeschafft, Fahrräder werden nur noch zur Transport genutzt.