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Al-Shabaab - die radikale "Jugendbewegung" um alte Konflikte

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Al-Shabaab - die radikale "Jugendbewegung" um alte Konflikte

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Der Name “Al-Shabaab” bedeutet “Jugend”. Diese Miliz ist aus der Jugendbewegung der “Union islamischer Gerichte” hervorgegangen. Die Gerichte waren in den 1990er Jahren entstanden, als es in Somalia überhaupt keine staatliche Gerichtsbarkeit mehr gab. 2006 spitzte sich ein Territorialstreit mit dem Nachbarland Äthiopien zu, dessen Truppen in Somalia einmarschierten. Al-Shabaab entstand als Reaktion darauf und eroberte die Macht in weiten Teilen Somalias. 2011 wurde diese radikal-islamische Miliz mit militärischer Hilfe der Afrikanischen Union zurückgedrängt worden. Kenianische Truppen kämpfen seither auf somalischem Boden gegen “Al-Shebaab”. Die haben, wie der Politikwissenschaftler Tom Maliti betont,
seit Oktober 2011 immer wieder gesagt, sie würden die Anwesenheit von kenianischem Militär auf somalischem Boden nicht hinnehmen. Und sie haben seither auch immer gedroht, Kenia auf kenianischem Boden zu bekämpfen. Seit Februar 2012 soll es eine enge Verbindung von Al-Shabaab mit Al-Kaida geben.
Die Zahl der Al-Shabaab-Kämpfer wird derzeit auf 7.000 bis 9.000 geschätzt. Zu den Anschlägen, die ihnen angelastet werden, gehören jener von Juli 2010 während der Fußball-WM in Kampala/Uganda mit 76 Toten,
einer gegen eine Militärbasis der Afrikanischen Union in Somalia im Februar 2009 mit elf Toten, ein Selbstmordattentat im Oktober 2011 mit 70 Toten und der Angriff auf ein Gericht im April 2013 mit 29 Toten. In ihren Propaganda-Videos ist von Vergeltung die Rede. Was dort angekündigt wird, ist nun offensichtlich in Kenias Hauptstadt blutige Realität geworden. Die Konflikte, die zu dermaßen radikalen Auswüchsen geführt haben, lassen sich in der Geschichte der Region weit zurück verfolgen. Das von den Ostblockstaaten gestützte und geförderte Somalia, dem die DDR die Verfassung schrieb, war mit dem Ende des Kalten Krieges zusammengebrochen. Gleichzeitig flammten alte Grenzstreitigkeiten wie jener um die mehrheitlich von Somalis bewohnte äthiopische Provinz Ogaden wieder auf. Somalia wurde zum “gescheiterten Staat”, in dem Clans um die Macht kämpfen. Idealer Nährboden für radikale Kräfte.
Ein Ende dieser katastrophalen Lage ist immer noch nicht abzusehen.