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Eine neue Sicht auf's Herz

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Eine neue Sicht auf's Herz

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Alle paar Monate macht sich Familie Cerqueglini auf nach Rom.

“Unser Sohn Giordano hat einen angeborenen Herzfehler: Bikuspidalität”, erklärt die Mutter. “Dadurch schwillt der aufsteigende Teil seiner Aorta an und erweitert sich.”

Bei Biskuspidalität hat die Aortenklappe nur zwei statt drei Flügel. Giordano muss sich alle drei bis sechs Monate im Krankenhaus umfangreichen Untersuchungen unterziehen, darunter auch Magnetresonanztomographien. Die Ärzte prüfen, ob und wann eine Operation nötig ist. Die Entscheidung fällt mit den bestehenden Untersuchungsmethoden aber nicht leicht:

“Das klassische Kriterium für die Notwendigkeit eines Eingriffs ist die allmähliche Erweiterung der Aorta. Dadurch können wir sehen, wann ein Patient sich einem Risiko nähert. Das Problem ist, dass diese Messung nicht immer akurat und zuverlässig ist. Wir wissen, dass etwa zwanzig bis dreißig Prozent der Patienten bedeutende Probleme bekommen können, bevor wir die Operation für nötig halten”, erklärt Kinderkardiologe Giacomo Pongiglione vom Bambino Gesù Kinderkrankenhaus.

Um diese Schwierigkeiten zu überwinden, haben europäische Forscher beim sim-e-child-Projekt ausgefeilte Computermodelle entwickelt, die die Daten des Herzkreislaufsystems vieler Patienten zusammenfassen und Simulationen zur Prävention ermöglichen. Miteinbezogen werden auch die Folgen, die bestimmte Krankheiten für den Zustand der aufsteigenden Aorta haben können.

“Aus der Blutflusssimulation kann man zum Beispiel lokal Informationen über die Blutgeschwindigkeit, über die Richtung des Blutflusses, aber auch den lokalen Blutdruck, als auch Informationen über die lokale Turbulenz des Blutflusses gewinnen”, erklärt Projektkoordinator Michael Sühling.

Die Datenbank wird zur wichtigen Informationsquelle für die Herzspezialisten, die über das Schicksal Giordanos und tausender anderer Kinder entscheiden müssen.

Giacomo Pongiglione erläutert an einem Modell: “Verglichen mit einem gesunden Menschen, bei dem kein bestimmter Bereich der Aorta unter hohem Druck steht, können wir bei einem kranken Patienten zwei riskante Bereiche ausmachen. Sie sind hier in Rot dargestellt. Es sind zwei, weil durch die besondere Flussrichtung das Blut zuerst gegen den einen Bereich der Aortenwand schlägt, und dann zurückprallt und gegen einen zweiten Bereich stößt. Dank dieses Modells können wir klar sehen, dass es zwei riskante Bereiche gibt.”

Die Datenplattform wird durch ein Netzwerk (MD-Paedigree Infostructure) ergänzt, in dem sich Krankenhäuser in Europa und den Vereinigten Staaten austauschen. Dadurch bekommen die Kinderkardiologen auf beiden Kontinenten schnellen Zugang zu aktuellen Daten über die komplexen Herzkrankheiten, mit denen sie es zu tun haben. David Manset, Computerspezialist: “Das transatlantische Netz hat schon Klinikteams in Europa und den USA dabei geholfen, zusammen neue Computersimulationsmodelle zu testen. Und das, ohne dass die Partnerkrankenhäuser beidseits des Atlantiks in kostspielige Computerausrüstung investieren mussten.”

Die Forscher weiten das Netzwerk derzeit aus, um auch Daten über andere Krankheiten von Kindern zusammenzuführen – wie Rheumatismus, Nervenleiden, neuromuskuläre Erkrankungen oder Fettleibigkeit.

Trotz aller Krankenhausbesuche in Rom führt Giordano laut seiner Mutter seit seiner Geburt ein recht normales Leben: “Er spielt gern Fußball mit Freunden, und geht schwimmen.” Seine Pläne für die Zukunft: “Wenn ich groß bin, möchte ich Fotograf oder Kameramann werden.”

Weiterführende Links:

www.sim-e-child.org
www.md-paedigree.eu