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Unter dem Müllberg schlummert der Strom

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Unter dem Müllberg schlummert der Strom

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Wie man aus Müll Strom gewinnt, ohne dabei die Umwelt zu belasten, soll eine Anlage in Großbritannien beweisen, in der Plasmavergasung zum Einsatz kommt. Dabei wird aus Abfällen Synthesegas gewonnen. Als Ausgangsmaterial dient Restmüll, der geschreddert und im Ofen erhitzt wird. Bei extrem hohen Temperaturen zerfällt der Müll in organische und anorganische Moleküle. Dabei entstehen keine giftigen Abgase, lediglich ein Gemisch aus vorwiegend Kohlenmonoxid und Wasserstoff, Synthesegas.

“Plasma ist im Prinzip ein elektrischer Bogen mit hoher Temperatur, ähnlich wie ein Blitzschlag, deswegen wird Plasma auch als Materie im vierten Zustand bezeichnet”, erläutert Rolf Stein von der Firma Advanced Plasma Power. “Es ist ionisiertes, extrem heißes Gas, mit dem wir lange Molekülketten zerlegen können.”

Synthesegas kann direkt verbrannt werden, um Gasturbinen anzutreiben und Strom zu produzieren oder in Kraftstoffe wie Ethanol umgewandelt werden. Die restlichen anorganischen Rückstände können zu Bau- und Dämmstoffen weiterverarbeitet werden, erläutert der technische Leiter der Firma, Richard Taylor. “Diese Stoffe verwandeln sich bei einer normalen Verbrennung zu Asche, also weiterer Restmüll, der entsorgt werden muss. Bei der Plasmavergasung verwandelt sich die Asche zu einem harten Material, das als Produkt wiederverwertet werden kann.”

“Plasmarock” heißt das steinartige Material, das sich zum Beispiel für den Straßenbau eignet. Mit geschätzten zwei Milliarden Tonnen Abfall auf Großbritanniens Müllhalden wäre reichlich Rohstoff vorhanden, um
Haushalte mit Strom und Wärme zu versorgen.
Das Projekt ruft jedoch auch Kritiker auf den Plan. Greenpeace etwa warnt davor, dass ein solches Verfahren dazu anregen könnte, noch mehr Müll zu produzieren, statt ihn zu vermeiden.