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"Head Over Heels" gewinnt Cartoon d'Or

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"Head Over Heels" gewinnt Cartoon d'Or

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Der Cartoon’Or für den besten europäischen Animationskurzfilm ging in diesem Jahr an die britische Produktion “Head Over Heels”. Der Preis wurde auf dem europäischen Branchentreffen für Fernseh-Animationsprojekte Cartoon Forum im südfranzösischen Toulouse vergeben.
Der Film von Timothy Reckart und Fodhla Cronin O’Reilly wurde bereits auf zahlreichen Festivals ausgezeichnet und war in der Kategorie Bester animierter Kurzfilm für den Oscar nominiert.

“Head Over Heels” ist eine klassische Stop-Motion-Animation mit Knetfiguren und handelt von einem in die Jahre gekommenen Ehepaar, das sich durch eine ungewöhnliche Raumteilung aus dem Weg geht: Er wohnt am Boden, sie an der Decke – oder umgekehrt.

Fodhla Cronin O’Reilly: “Auslöser war das mysteriöse Rembrandt-Gemälde ‘Der Philosph’, in der die Wirklichkeit kopfsteht. Wir wollten dieses Konzept auf ein Ehepaar übertragen, um zu sehen, was passiert, wenn man die beiden voneinander trennt. Davon ausgehend haben wir die Geschichte entwickelt.”

Zu den Finalisten in diesem Jahr gehörte auch die französisch-belgische Koproduktion “Betty’s Blues” von Rémi Vandenitte über einen jungen Gitarristen, der sein Glück in einer alten Blues Bar in Louisiana versucht, auf den Spuren der Blues Legende Blind Boogie Jones.

Der Film vermischt zwei verschiedene Techniken, Stop-Motion und am Computer generierte 2D-Animation. Warum?
Rémi Vandenitte: “Weil die beiden Techniken nicht dasselbe erzählen. Die 2D-Animation ist eher allegorisch, Stop-Motion spricht das Publikum direkter an, ist konkreter. Die Technik steht meiner Ansicht nach zu allererst im Dienst der Handlung.”

Ebenfalls im Rennen um den Cartoon d’Or war der bunte Streifen “Ecart de Conduite” über eine Chaoskandidatin, die zum neunten Mal durch die Fahrprüfung rasselt.
Der Film der Spanierin Rocío Álvarez, die in Brüssel lebt und arbeitet, basiert auf eigenen Erfahrungen.
Rocío Álvarez:
“Warum nicht? Es ist doch ein Thema, das alle Menschen anspricht, früher oder später macht jeder seinen Führerschein. Ich wollte darüber eine Komödie machen, die bis zum Ende lustig ist.”

Düster und ergreifend ist die auf Gravuren basierende Animation “Kali The Little Vampire”. Es geht um einen Jungen, der davon träumt, sein Schattendasein zu verlassen, um so zu sein, wie die anderen. Der Film der Portugiesin Regina Pessoa schließt eine Trilogie zum Thema Kindheit.

Regina Pessoa: “Meine Mutter war schizophren, sie war anders. Ich selbst habe erlebt, wie es ist, anders zu sein, die Tochter eines Menschen zu sein, der anders ist. Durch diesen Film wollte ich Frieden schließen mit meiner Kindheit. Mir war es wichtig, dass sich der Held in diesem Film so akzeptiert, wie er ist, denn er kann nicht wie die anderen sein.”

Die französische Produktion “Lettres de femmes” von Augusto Zanovello führt in die Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Ein Sanitäter versucht, die durch Gas und Bomben verletzten Soldaten mit Briefen ihrer Geliebten zu heilen.

Der Cartoon d’Or für den besten europäischen Animationskurzfilm ist mit 10 Tausend Euro Preisgeld dotiert.