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Irans neues Gesicht

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Der neu gewählte iranische Präsident Hassan Rohani macht sich auf den Weg nach New York, um Scherben zu kitten und abgebroche Brücken zu reparieren. Er hatte extra eine Sonderkommission beauftragt, am Rande der UN-Vollversammlung möglichst viele bilaterale Gespräche für ihn zu organisieren. Bevor er in Teheran sein Flugzeug bestieg, erklärte Rohani, eines seiner Ziele bestehe darin, alle Möglichkeiten zu nutzen, um der Welt das wahre Gesicht der iranischen Nation zu zeigen, einer Nation, die Kultur und Frieden liebe. Der UN-Auftritt des neuen Präsidenten dürfte sich grundlegend vom dem unterscheiden, was sein Amtsvorgänger Mahmud Ahmadinedschad den Vereinten Nationen geboten hat. Hassausbrüche gegen Israel, Leugnung des Holocaust, Beifall für die Attentäter vom 11. September 2001.

Das führte in den vergangenen acht Jahren regelmäßig dazu, dass viele Staatenvertreter bei seiner Rede den Saal verließen. Der neue iranische Präsident will nicht vor leeren Stühlen den starken Mann markieren. Dass der als moderat geltenden 64jährigen Hassan Rohani die iranische Präsidentenwahl im Juni gewann, war schon eine Überraschung. Rohani hatte in seinem Wahlkampf damit geworben, er werde die Spannungen mit dem Westen abbauen und so auch der unter den internationalen Sanktionen leidenden Wirtschaft wieder auf die Beine helfen. Der neue Präsident hat reichlich internationale Erfahrung. Er leitete die iranische Delegation zu den Atomverhandlungen, bis Präsident Ahmadinedschad ihn 2005 von diesem Posten entfernte. Rohani hatte gegenüber den UN-Vertretern für sein Land den Verzicht auf die Anreicherung von Uran akzeptiert. Kaum war Mahmud Ahmadinedschad im Präsidentenamt, galt das nicht mehr, der Iran begab sich auf Konfrontationskurs.

Der iranische Politikwissenschaftler Saeed Leylaz meint, Rohani wolle Dialog – aber nicht um jeden Preis. “Wir wollen Kompromisse mit dem Westen”, sagt er. Aber ausufernde Forderungen besonders von Seiten der USA seien dem nicht dienlich. Er hoffe, dass die US-Diplomatie diesen Hinweis ernst nehme. Der UN-Sicherheitsrat hat in der Amtszeit von Ahmadinedschad mehrere Resolutionen zu Sanktionen gegen den Iran angenommen, die der iranischen Wirtschaft beträchtliche Schwierigkeiten bereiten. Der neue Präsident hat ein dringendes Interesse daran, dass der Erdölverkauf wieder normal laufen und Iran wieder weltweite Finanztransaktionen abwickeln kann.