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Ex-Diktator im "Blutdiamanten-Prozess" endgültig verurteilt


Sierra Leone

Ex-Diktator im "Blutdiamanten-Prozess" endgültig verurteilt

Der ehemalige Präsident von Liberia, Charles Taylor, ist auch im Berufungsverfahren zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Sondertribunal zu Sierra Leone bei Den Haag bestätigt damit das Urteil der ersten Instanz von 2012.

Der vorsitzende Richter erklärte: “Taylors Handlungen haben nicht nur die Opfer dieser Verbrechen und deren Verwandten geschädigt, sondern auch einen Konflikt angeheizt. Dieser wurde zu einer Bedrohung für den internationalen Frieden und die Sicherheit in der westafrikanischen Region.”

Taylor wurde als erstes ehemaliges Staatsoberhaupt nach den Nürnberger Prozessen für Anstiftung und Beihilfe zu Kriegsverbrechen verurteilt. Dem Urteil nach ist Taylor mitverantwortlich für tausendfachen Mord, Folterungen, Vergewaltigungen und die Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten.

Der Ex-Diktator hatte die Rebellen der “Revolutionären Vereinigten Front” unterstützt. Die berüchtigten
Todesschwadronen töteten in Liberias Nachbarland Sierra Leone im Bürgerkrieg von 1991 bis 2002 Zehntausende Menschen. Taylor belieferte die Miliz mit Waffen, dafür erhielt er sogenannte “Blutdiamanten”. Die wurden illegal in Minen in Sierra Leone unter unmenschlichen Bedingungen geschürft. Mit diesen Rohdiamanten wollte Taylor seinen eigenen Krieg finanzieren.

Die Rebellen machten es sich zum Markenzeichen, bei Überfällen auf Dörfer Zivilisten die Gliedmaßen abzutrennen. Zudem gab es öffentliche Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen. Tausende wurden in dem Bürgerkrieg verstümmelt und können heute kaum ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Der Ex-Diktator wurde 2006 verhaftet und hatte während des Prozesses stets seine Unschuld beteuert. Die Berufungsrichter wiesen alle Einwände der Verteidiger zurück. Auch die Anklage hatte Berufung eingelegt. Sie forderte 80 Jahre Haft. Der 65-Jährige muss seine Strafe voraussichtlich in einem britischen Gefängnis verbüßen.

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