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Satellitenbilder und GPS helfen beim Weinanbau

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Satellitenbilder und GPS helfen beim Weinanbau

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Das französische Schutzsiegel AOC (Appellation d’Origine Contrôlée) auf deutsch etwa geprüfte Herkunftsbezeichnung spielt eine wichtige Rolle auf dem Weingut Château Fortia. Dort im Süden Frankreichs, südöstlich der Stadt Châteauneuf-du-Pape legt der Winzer viel Wert auf die Qualität, die das Siegel verspricht. Ein paar Wochen vor der Ernte wird die Reife der Trauben sorgfältig geprüft, der Boden analysiert und das Wetter überwacht.

Das Weingut arbeitet mit einem Unternehmen zusammen, das Satellitenbilder des Anbaugebiets bietet. Anhand der darauf angezeigten Farbskala von grün bis rot, kann auf die verschiedenen Reifegrade der Reben geschlossen werden.

Weinexperte Didier Robert:

“Wir messen die Infrarot-Strahlung. Denn man weiß, dass sie proportional zur Fotosynthese-Aktivität der Pflanzenwelt ist. Das ist ein indirektes Indiz für die Produktivität der einzelnen Parzellen.”

Der Winzer bekommt eine sehr genaue Karte seiner Weinberge. So kann er seine Reben pflegen und die Weinlese an die Reife der Trauben anpassen.

Pierre Pastre, Château Fortia:

“Auf einer Parzelle, die laut Katasteramt völlig einheitlich ist, gibt es völlig unterschiedliche Qualitätsbereiche. In einem Teil des Flurstücks werden wir die Trauben vorher lesen, in einem anderen erst 15 Tage später.”

Die Technik, die seit drei Jahren auf dem Weingut eingesetzt wird, verändert langsam aber sicher die Arbeitsweise. Die Besitzer haben die Weinlese den neuen Bedingungen angepasst und in neue Produktionswerkzeuge investiert.

Pierre Pastre:

“Heute arbeiten wir mit Computern und haben das Wissen, das von Agronomen in der Schweiz, Frankreich, Italien oder von anderswo her entwickelt wurde. Und wir arbeiten damit. Wir sind keine Landwirte mehr, wir sind zum Unternehmer geworden.”

Unternehmer, die mit neuesten Methoden wie Drohnen arbeiten. Nicht aus der Stratosphäre, aber auch aus der Luft, können sie ein Weinbaugebiet aus größerer Entfernung beobachten, beispielsweise nach heftigem Regen oder Hagel.

Aber zurück zur Erde, zur Forschungsstelle “Agroscope de Changins” nahe Nyon in der Schweiz. Dort wird an neuen Messgeräten gearbeitet.

Chemikerin Sandrine Belcher, Agroscope de Changins:

“Man könnte sagen, das funktioniert wie eine Pistole oder eine Kamera. Das Gerät sendet Lichtblitze. Damit wird die fortschreitende Pigmentierung der Polyphenole während der Reifezeit gemessen. Also wie die grünen Trauben rot werden. Das kann man damit wirklich sehr gut messen.”

Mit dieser Methode erzielt man wesentlich schnellere Ergebnisse als mit traditionellen Analysen. Die Laboruntersuchungen werden an Beeren durchgeführt, die nach dem Zufallsprinzip ausgesucht werden. Das neue Gerät arbeitet mit GPS und kann das Weingut sehr präzise abbilden.

Sandrine Belcher:

“Da das neue Gerät viele Punkte auf einer Parzelle anzeigt, können wir die unterschiedlichen Reifegrade bestimmen. Man sieht hier die Bereiche mit weniger reifen Trauben, die in der Nähe des Waldes oder der Straße liegen.”

Wissenschaft und neue Technologien ermöglichen dem Erzeuger eine zunehmend bessere Vorstellung von seiner Arbeit. Aber letztlich hängt die Entscheidung, wann die Weinlese beginnt, auch vom Gespür und der Erfahrung des Winzers ab.