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Widerstand gegen Volkszählung in Bosnien und Herzegowina

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Widerstand gegen Volkszählung in Bosnien und Herzegowina

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In Bosnien und Herzegowina wird seit diesem Dienstag die erste Volkszählung seit dem Kriegsende 1995 durchgeführt. Die rund viereinhalb Millionen Einwohner sollen unter anderem ihren Glaubensrichtungen nach kategorisiert werden. Doch gegen diese Vorgehensweise regt sich Widerstand. Neben muslimischen Bosniaken, orthodoxen Serben und katholischen Kroaten werden weitere Gruppen nicht berücksichtigt.

“Mit unserer Initiative wollen wir erreichen, dass die Bürger die Volkszählung dazu nutzen, gegen die ethnische Diskriminierung zu protestieren, die sich in den Gesetzen und in der Verfassung Bosnien und Herzegowinas spiegelt”, sagt Darko Brkan von einer Gruppe, die sich dafür einsetzt, die Menschen nicht zu kategorisieren, sondern primär als Bürger zu betrachten.

Im Friedensabkommen von Dayton wurde 1995 festgesetzt, dass die Behörden dem Verhältnis der drei großen Volksgruppen entsprechend besetzt werden. Doch die Ordnung scheint nicht mehr zeitgemäß.

“Wenn ich das angeben würde, was ich wirklich will, dann wäre das die Gruppe der Sonstigen. Jede andere Kategorie entspricht nicht meinem Gefühl”, meint eine Frau.

Bei der letzten Zählung vor 22 Jahren stellten die Bosniaken mit 44 Prozent den größten Bevölkerungsanteil. Um nachzuhelfen, dass sich diese Rangordnung nicht verschiebt, fordert das Oberhaupt der islamischen Gemeinde in Bosnien auch jene Landsleute zur Teilnahme auf, die im Ausland leben.